Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose

Pharyngotomia subhyoidea eröffnet und oberhalb der Epiglottis eingedrungen. Die Epiglottis, sowie die Hälfte der Schildknorpelvereinigung wird in der Mittellinie durchtrennt, worauf der Kehlkopfeingang und die Gegend der Stimmbänder gut zugänglich sind. Nach Excision der narbigen polypösen Gewächse des Aditus kommt die Larynxschleimhaut zum Vorschein, dieselbe zeigt chronische hypertrophische Ent­zündung, wodurch das Lumen gleichmäßig verengt ist. Nach Wiedervereinigung der entzweigeschnittenen Epiglottis und Schildknorpel wird die untere Tracheo­tomie gemacht, damit während der längeren Lage der Kanüle Gelegenheit zur Rückbildung der Hypertrophie und zur Wundheilung im Gebiete des Kehlkopf - einganges geschaffen werde. An dem der Operation folgenden Tage wird die Kranke durch die Sonde ernährt. Am dritten Tage schluckt sie bereits gut. Der Verlauf ist ungestört. Bei syste­matischem Kanülewechsel glatte Wundheilung. Am 28. Dezember Probeintubation. Die Epiglottis ist schön geheilt. Unter die Glottis kann jedoch selbst die kleinste Tube nicht eingeführt werden. Wir nehmen vollständigen Verschluß an und schreiten am 16. Januar 1904 zur Resektion des Kehlkopfes. Die Orientierung ist durch mannigfaltige schwielige Narben­bildung überaus erschwert. Im Niveau der Cartilago cricoidea ist der Kehlkopf in der Länge von 2 cm narbig verschlossen und bis zur Unkenntlichkeit verändert. Unterhalb der Verschlußstelle ist die Luftröhre sehr erweitert, die Schleimhaut ist hier kaum verdickt und fast unmittelbar unter der Narbe beinahe vollkommen normal. Oberhalb der Narbe ist die Kehlkopf Schleimhaut sehr hypertrophisch und faltig. Stimmbänder können mitten dieser hypertrophischen Falten nicht erkannt werden. Zufolge der Ausdehnung und Massenhaftigkeit der Narbenbildung wird transversale Resektion vorgenommen, mit der man vom unteren Drittel des Schildknorpels bis ungefähr zum zweiten Trachealringe gehen muß. Bei Vorbeugung des Kopfes ge­lingt die exakte Adaption und pünktliche Vereinigung ziemlich leicht. Kanüle. Gips­verband, der Rücken und Kopf fixiert. Hierauf täglich Verband und Kanüle Wechsel. Lebhafte Granulierung. Trachea und Larynx sind vorne ein wenig auseinander gegangen, während die Nähte rück­wärts und seitlich gut halten. Das Lumen des Kehlkopfes wird durch einen bohnen­großen, ödematösen Polyp verschlossen, der am 28. Januar excidiert wird. Seit­her atmet das Kind bei verlegter Fistel auch durch den Mund. Nachträglich werden noch zwei stecknadelkopfgroße Polypen entfernt, wodurch die Passage noch besser wird, so daß die Kranke am 5. Februar ohne Kanüle bei verbundener Fistel 2 Stunden hindurch ganz gut atmet. Am 6. Februar den ganzen Tag über ohne Kanüle. Auf die Nacht eine dünne, gefensterte Kanüle. Bis zum 16. Februar ist sie tagsüber ohne Kanüle, des Nachts schläft sie mit verschlossener Dupuy-Kanüle. Am 16. Februar wurde sie für 1 Stunde, am 18. gleichfalls für 1 Stunde intubiert, sonst blieb sie bis zum 27. Februar ohne Kanüle und ohne Tube, an diesem Tage mußte man sie jedoch für einige Stunden intubieren. Tagsüber war der Zustand leidlich, des Nachts ist das Kind unruhig, atmet schwer und schläft wenig. Anfängs März überstand sie eine glatt abheilende Bronchopneumonie. Für die Nacht bekommt sie jeden zweiten Tag die Tube. Laryngoskopischer Befund am 17. März: Den Aryknorpeln entsprechend ist die Schleimhaut stark geschwollen. Die Excision dieser Hypertrophie auf endo- laryngealem Wege gelang bei dieser Gelegenheit nur teilweise. Aus diesem Grunde bekommt sie nach Erweiterung der kleinen Fistel wieder die Kanüle. Mit dem ösophagoskop gelingt es, den Kehlkopf einzustellen und dem Aryknorpel mit der Zange ein hirsenkorngroßes Stück hypertrophischer Mukosa zu entreißen. Nach der Operation ist der Zustand derselbe. Jeden zweiten, dritten Tag muß nachtsüber intubiert werden. Gegen Ende Mai schließt sich die Fistel. Am 28. Mai neuerlicher Eingriff. Der Kehlkopf wird in der Narbe gespaltet. Aus der Gegend unterhalb des rechten Stimmbändchens wird eine stecknadelkopf­große, harte, polypöse Hypertrophie entfernt. Desgleichen eine tief bis zum Knorpel reichende, hypertrophische Partie aus der geschwollenen Schleimhaut der Aryknorpel- gegend. Kanüle. Naht. Im Juni atmet sie bereits ohne Kanüle und Tube tagsüber ziemlich ruhig, nachts lauter. 160 Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphtherischen Larynx-Stenose.

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