Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose

153 Über die nach der Intubation entstandenen Kehlkopfverengerungen. Seither fühlte sich das Kind jahrelang gut, obwohl das Atmen ein wenig er­schwert war. In letzterer Zeit fängt die Atmung an, lauter und rauher zu werden, _ d ie Spiegeluntersuchung zeigt unter den normalen Stimmbändern ein blasses, nar­biges Diaphragma, das die Öffnung der subglottischen Region auf eine in querer Richtung 4 mm, in sagittaler Richtung etwa 8 mm betragende ovale Fläche reduziert. Nachdem sich die endolaryngeale Excision dieses knopfloch­förmigen Diaphragmas nicht für zweckmäßig zeigte, wurde am 20. Dezember 1904 zur Laryngofission geschritten und das scharf geränderte, an der Basis kaum 3 mm hohe, sehr harte, stellenweise verkalkte Diaphragma ringsherum excidiert1). Bei Kanüleeinlage Vereinigung der Ränder des Ring- und Schildknorpels. Nach einer Woche wird die Kanüle entfernt, worauf sich die Wunde alsbald schließt. Die Stimme ist eine Zeitlang noch verschleiert und wird nach eini­gen Wochen reiner. Atmung freier, die scrobiculären inspiratorischen Einziehungen hörten auf. Kontrolluntersuchung am 19. Januar 1906. Das Mädchen entwickelt sich seit der letzten Operation gut, ihr Aussehen ist ein befriedigendes, die Stimme kaum merklich heiser, sehr tief, von Alt-Cha­rakter. Die Atmung ist noch etwas laut, insbesondere bei Erregungen, doch auch bei stärkeren körper­lichen Leistungen noch vollkommen befrie­eigend. In der Kehlkopfluftröhrengegend eine 6 cm lange und 3—4 mm breite Narbenbildung, die etwa einen halben Zentimeter unterhalb des Schildknorpels muldenförmig einsinkt. Laryngoskopischer Befund: Der Kehlkopfeingang und die Stimmbänder zeigen das gewöhnliche Bild, die Bewegung der Stimmbänder ist frei. Unter den Stimmbändern schimmert ein rosafarbiges Diaphragma (Fig. 80), in welchem näher zur hinteren Kehlkopf wand eine 7 mm lange und 5 mm breite narbige Spalte sichtbar ist. Durch diese geht die Atmung ungestört von sich {Dr. Paunz). Fig. 80. 2. Narbiger Kehlkopfverschluß. Anton R., 5% Jahre alt, aufgenommen am 10. November 1897. Der Kranke wurde vor 8 Monaten wegen Laryngitis crouposa im Anschlüsse an Masern in das Budapester „St. Ladislaus“-Infektionsspital aufgenommen und dort intubiert. Die Tube lag 9 Tage hindurch, daher länger als 200 Stunden im Kehlkopf, inzwischen wurden 4 mal Extubationsversuche angestellt. Die sekundäre Tracheotomie wurde am 1. April 1897 am selben Orte vollzogen. Seit dieser Zeit trägt das Kind die Kanüle, deren Entfernung nicht gelang. In das „Stefanie“-Kinderspital wurde der Knabe am 10. November 1897 mit vollkommenem narbigen Kehlkopfverschluß aufgenommen. Die Intubation ge­lingt trotz wiederholter Versuche nicht, selbst die Tube für 1jährige kann nicht ein­geführt werden. Der narbige Verschluß ist kein vollständiger, da der Kranke die Verstopfung der gefensterten Kanüle für einige Augenblicke verträgt und während­dessen auch ein wenig phonieren kann. Nachdem der Verschluß kein voller war, versuchten wTir die Öffnung wiederholt mit feinen Kehlkopfsonden und Bayeux sehen Tuben unter Spiegelkontrolle aufzufinden —, doch ohne Erfolg. Am 26. Januar Laryngofission. Die Operation erfolgte in Chloroformnarkose nach Einsetzung der Trendelenburg sehen Kanüle. Die hoch angebrachte Wunde reicht nicht bis zur Trachealfistel herab. Der Kehlkopf wurde mit einem Ein­schnitte in den Ringknorpel eröffnet, in welchem der Operateur eine narbige \ er- engerung in der Höhe von % cm vor fand. Nach Durchtrennung der schwieligen Narbe wurde der Kranke mit der I. Tube O' Dwyer s intubiert. Die Knorpel des Kehlkopfes wurden über der Tube mit zwei Silkwormnähten vereinigt und die Kaut­schukkanüle in die Luftröhre zurückgelegt. Nach der Operation blieb der Kranke fieberfrei, sein Allgemeinzustand gut. Die Wundränder wurden jedoch entzündet und nach Entfernung der Nähte öffnete sich der wenig Eiter sezernierende Wund­kanal. Nach 8 tägiger Tubenlage wurde die Extubation versucht, und zwar mit dem Extraktor, da das Kind den Faden durchbiß, doch ohne Erfolg, da die hinabgerutschte *) Operateur: Dr. Winternitz, Universitätsdozent, Abteilungsprimarius.

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