Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose

Tube nicht zu fühlen war; es wurde daher die Entfernung der Kanüle notwendig, worauf die Tube durch die Ringknorpelwunde entfernt werden konnte. Die Kanüle wurde wieder eingelegt. Nach 2 tägiger Extubation wollten wir den Kranken am 6. Februar wieder in- tubieren (mit Tube II O’ Dwyer), doch gelang dies nicht, da das untere Tubenende nicht im Lumen der Luftröhre verblieb, sondern aus der Wunde heraussprang. Am 12. Februar versuchten wir die Sondierung des Kehlkopfes in Chloroformnarkose durchzuführen, was aber weder mit Kautschukbougies noch mit Metallsonden gelang. Ebensowenig konnte die Intubation ausgeführt werden. Die Wunde der Laryngo- fission ist vollkommen vernarbt und auch die Cricotomiewunde beinahe vollkommen geschlossen. Am 16. Februar neuere Laryngofission. In Narkose wird das Narbengewebe an der Stelle der früheren Cricotomie neuerlich bis zum Kehlkopflumen durch­schnitten ; von hier drang der Operateur gegen den Ort der Stenose vor. Die Striktur war unmittelbar unter dem Ringknorpel in der Gestalt einer capillären Öffnung sichtbar. Durch einen Schnitt auf dieselbe wird es ersichtlich, daß die Höhe der Striktur kaum einige Millimeter beträgt, darunter setzt sich die Luftröhre mit normalem Lumen fort. Das Narbengewebe der Striktur wurde durchschnitten und der Kranke mit 0'Dwyer-Tube Nr. III intubiert, durch die der Patient auch bei Zuhaltung der Trachealfistel gut atmete; trotzdem wurde auch die Kanüle eingesetzt und das untere Tubenende in das Fenster der Trachealkanüle gelegt. Das Kind atmet derartig ruhig, die Luft kommuniziert auch nach oben. Der erste Kanülewechsel geschieht am dritten Tage nach der Operation, am 19. Februar, doch gelang damals bloß die Tube Nr. II in das Fenster der Kanüle hineinzulegen. Am 21. Februar hustet der Knabe die Tube aus. Diesmal wurde statt der gefensterten Kanüle nur eine ganz kurze Kanüle in den Wundkanal eingeführt und das Kind mit einer größeren Tube Nr. IV (für 5—7 jährige) intubiert. Anderen Tages rutschte die Tube etwas nach abwärts, doch gelingt es, dieselbe durch Anziehung des Fadens an den richtigen Ort zurückzuführen. Nach einigen Tagen trat bei dem Kranken croupöse Lungenentzündung auf und verlief typisch. Der Kranke wird jeden Tag behufs Reinigung der Tube für 3—4 Minuten ohne Schwierigkeit extubiert. Die Bronzetube war während der Liegezeit fleckenweise schwarz verfärbt. Am 5. März verbanden wir die Trachealfistel des extubierten Kindes probe­weise. Ohne Kanüle und Tube hielt er es nur 10 Minuten lang aus. Die Tube des durch die Lungenentzündung geschwächten Kindes wurde wieder nach 6 Tagen gereinigt; auf größeren Decubitus hinweisende schwarze Flecken können an der Tube nicht entdeckt werden; die Tube ist unter der Krawatte mit Kalksalzen inkrustiert. Am 19. Marz verblieb das Kind eine halbe Stunde lang ohne Tube. Letztere rutscht öfter nach abwärts, was-stets Dyspnoe verursacht, welche aufhört, sobald die Tube am Faden zurückgezogen wird. Zur Verhütung dieser Zwischenfälle wird am 21. März mit einer größeren Tube (für 7—10jährige) reintubiert. Am 22., 26. und 30. atmete der Kranke 7, resp. 8 Stunden lang ohne Tube ganz gut, bloß in den letzten Stunden wurde das Atmen laut. Einmal führte ein Hustenanfall Suffokation herbei. Die stellenweise schwarze und inkrustierte Tube überzogen wir nach O'Dwyer mit Gelatine und imprägnierten diese mit Borsäure. Bei dem Kranken trat ausgedehnte katarrhale Pneumonie auf. Am 4. April verblieb der Kranke 4, am 12. 9 und am 18. 7 Stunden lang ohne Tube; am 25. 8, am 29. aber 12 Stunden. Nach Abheilung der Pneumonie besserte sich der Ernährungszustand und das Allgemeinbefinden des Kranken wesentlich. Wir entfernten die Trachealkanüle und bedeckten die Fistel mit einem Verband. Die Extubationsdauer betrug am 2. und 4. Mai je 8 Stunden, am 7. Mai 10 Stunden. Am 11. Mai atmete der extubierte Kranke 32 Stunden lang vollkommen ruhig. Die Respiration war selbst nachts nicht gestört und wurde bloß bei Gemütserregungen für kurze Zeit laut hörbar. Am 13. Mai konnte der Kranke bloß 2, am 20. kaum eine halbe Stunde lang ohne Tube bleiebn. Bei beiden Gelegenheiten brachte das Husten plötzliche Suffokation hervor. Der am 3. Juni extubierte Knabe blieb 26 Stunden lang in diesem Zustande. Danach konnten wir den Kranken wieder bloß für kürzere Zeit, kaum einige Stunden 154 Die O’Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphtherischen Larynx-Stenose.

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