Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose

Untersuchung erweist die Anwesenheit einer mäßigen, circularen, narbigen Striktur in der subglottischen Region, welche nach methodischer Erweiterung durch Einführung von Tuben in 2 Wochen verschwand, wonach das erschwerte Atmen aufhörte. Seither atmet der Kranke vollkommen frei, phoniert normal und seine Gesundheit ist ausgezeichnet. 152 Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphtherischen Larynx-Stenose. Gruppe B. 1. Narbiger Kehlkopfverschluß. Margarethe K., 2% Jahre altes Mädchen, erkrankte am 30. November 1894 mit Symptomen der Rachen- und Kehlkopfdiphtherie, infolgedessen bei dem Kinde Serumbehandlung und Intubation zur Anwendung gelangen. Bei der kleinen Patientin nimmt die Diphtherie günstigen Verlauf, die endgültige Entfernung der Tube kann jedoch bis Ende Dezember nicht mit Erfolg durchgeführt werden, infolge der im Kehlkopfe auf getretenen Geschwüre (die Tube lag insgesamt ca. 400 Stunden lang im Kehlkopfe). Das Kind, das bis dahin in der Provinz behandelt wurde, wird am 29. Dezember behufs sekundärer Tracheotomie ins Spital gebracht. Die Operation ist von glattem Verlauf, die Kranke atmet mit der Kanüle ruhig. Am 16. Januar treten Masern auf, die bald von einer schweren katarrhalen Pneumonie gefolgt werden. Bei Kanülewechsel und Zuhaltung der trachealen Wunde wird das Kind sozusagen momentan cyanotisch. Am 17. Februar, daher 50 Tage nach der Tracheotomie, probieren wir Intubation, doch ohne Erfolg, weil selbst die kleinste Tube bloß bis zu den Stimmbändern vorgeschoben werden kann, wo sie stecken bleibt und nicht weitergeführt werden kann. Auch die Sondenuntersuchung zeigt den narbigen Verschluß; durch die tracheale Öffnung 1% cm weit nach oben gelangend, ist mit der Sonde ein das Kehlkopf innere absperrendes narbiges Diaphragma fühlbar. Nachdem das Kind die Sommermonate zur Erholung am Lande verbracht hatte, nahmen wir am 31. Oktober die Laryngofission vor, nachdem vorher die Trendelenburg sehe Tamponkanüle eingeführt wurde. Das in der Höhe des Ring­knorpels sitzende membranös-narbige Diaphragma wird durchschnitten und nach der Operation die kurze Collin sehe Tube Nr. I in den Kehlkopf eingelegt. Am 1. De­zember wird die Trendelenburg-I\.&nü\e entfernt und an deren Stelle eine gefensterte Kautschukkanüle gesetzt. Bis zum 22. verbleibt die Collin sehe Tube ständig im Kehlkopf; bei geschlossener, gefensterter Kanüle ist das Atmen mit der Tube und sogar ohne diese für kurze Zeit ruhig. Nachdem beim Speisen die flüssige Nahrung durch die Kanüle herausfließt, wird das Kind vor jeder Mahlzeit extubiert. Am 22. November wird die dem Alter des Kindes entsprechende O' Dwyer-Tube Nr. II in den Kehlkopf eingeführt und die Kanüle entfernt. Des anderen Tages hustet sie die Tube aus und atmet 2 Stunden lang auch ohne Tube vollkommen ruhig, wird aber dann plötzlich asphyktisch, so daß das Mädchen trotz raschester Reposition der Kanüle erst nach mehr als l/2 stündiger künstlicher Atmung wieder zu Besinnung gebracht werden konnte. Am 25. November wird die O’Dwyer-Tube Nr. III ver­wendet und vom 1. Dezember an täglich bloß für die Nacht angelegt, währenddem das Kind bei Tage 8—12 Stunden lang ohne Tube erträglich atmet. An der Stelle der Tracheotomie ist eine kleine Fistelöffnung zurückgeblieben, 4ie sich trotz wieder­holter Anwendung von Lapis und Paquelin nicht schließen will. Am 9. Dezember wird die Tube Nr. IV eingeführt. Vom 12. bis zum 21. atmet das Kind auch ohne Tube ruhig; bei der am 21. versuchten Intubation bleibt die Röhre unter der Stimm­ritze stecken und kann erst mit stärkerem Drucke eingeführt werden. Am 19. De­zember fängt das Kind nach einjähriger völliger Stimmlosigkeit mit klarer, doch etwas tiefer Stimme zu sprechen an. Bis zum 18. Januar bleibt es tagelang ohne Tube und wird nur zeitweise für 1—2 Tage intubiert. Nachdem sich die Fistel nicht schließen will, werden nach Ausschneidung der narbigen Ränder der Fistel die Wundränder mit Hilfe Karlsbader Nadeln und achter Nähten vereinigt, worauf die Fistel heilt. Bis zum 17. März bleibt das Kind nach 2—3tägiger Intubation 1—5 Tage lang ohne Tube; vom 17. an atmet das Kind 10—12 Tage lang ohne Tube ruhig. Am 4. August ist das Mädchen endgültig extubierbar und am 23. Sep­tember wird es nach ca. l^jähriger mühevoller Behandl ung geheilt ent­lassen und verläßt das Spital in sehr gutem Kräftezustande und bei vorzüglichem Allgemeinbefinden mit ziemlich freier Atmung.

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