Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose

150 Die O’Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphtherischen Larynx-Stenose. Gruppe A. 1. Narbige Kehlkopfverengerung. Karl P., 2 Jahre alt, wurde am 22. November 1892 ins Spital aufgenommen, wo wegen Larynxdiphtherie die Intubation vorgenommen wurde. Während der Intubationsdauer entwickelt sich Decubitus des Kehlkopfes, infolgedessen ich am 12. Dezember, also nach beiläufig 18tägiger Tubenlage, die sekundäre Tracheo­tomie ausführte. Nach der Operation trat eine katarrhale Pneumonie auf, die mit einem so bedrohlichen Kräfteverfall des Kranken verlief, daß ein Dekanulement nicht ratsam schien. Am 6. März wird behufs Dekaniilement eine Tubeneinführung ver­sucht, doch gelingt es infolge narbiger Verwachsung (narbiges Diaphragma) nicht, selbst die kleinste Tube einzuführen. Ähnliche Versuche mißlangen bis zum 15. April stets, es gelang bloß mit Hilfe des Kehlkopfspiegels das dünnste Urethral - Bougie durch die Verengerung hindurchzuführen, infolgedessen die Kanüle nicht entfernt werden konnte. Am 15. April kommt man endlich nach dreimaligem ener­gischen Versuche mit der kleinsten O' Dwyer-Tube durch die verengte Stelle durch, und die Atmung war bei liegender Tube zufriedenstellend. Am 19. April konnte schon die Tube Nr. II eingeführt werden. Von nun an wurde das Kind zwei Wochen hindurch täglich für eine halbe Stunde intubiert; nach der Extubation wurde die Kanüle stets wieder zurückgesetzt. Mitte Mai war der Kehlkopf durch die Tuben bereits derart erweitert, daß die Kanüle endgültig entfernt werden konnte. Patient verließ das Spital am 18. Juni 1893 mit völlig erweitertem Kehlkopfe, voll­kommen geheilt. Ich hatte Gelegenheit, den Knaben seither wieder zu sehen. Er hat sich gut entwickelt, seine Stimme ist etwas verschleiert, doch kräftig. Seit dem Spitalsaustritte hatte er gar keine Atmungsbeschwerden. 2. Narbige Kehlkopfverengerung. Marie S., 2 Jahre altes, schwach entwickeltes Mädchen wurde am 18. Juli 1897 aufgenommen und wegen schwerer diphtherischer Larynxstenose sofort intubiert. Nachdem die endgültige Detubation bis zum 2. August, d. h. nach 302stündiger Intubation noch nicht gelingt, wird die sekundäre Tracheotomie vollzogen. Am 12. und 22. August, sowie am 1. September gelingt eine Probeintubation ungehindert; von Zeit zu Zeit wird die äußere Öffnung der Kautschukkanüle mit einem Stöpsel verschlossen, wobei die Kranke ganz ruhig durch den Mund atmet. Am 13. Sep­tember ringt sie bei verlegter Kanüle nach Atem und in den Kehlkopf ist bloß die kleinste O'Dwyer-Tube einführbar, infolge einer in der Ring- knorpelgegend aufgetretenen narbigen Stenose. Bei liegender Tube ziem­lich freie Atmung; nach 27stündiger Intubation wird die liegende Tube mit einer dem Alter entsprechenden vertauscht. Am 27. September bleibt sie 1 Stunde lang extubiert, am 29. duldet sie die Extubation 1% Stunden lang. Am 1. Oktober kann man sie 1 Stunde lang, am 3. Oktober schon 22 Stunden lang ohne Tube lassen. Hernach war sie noch 18 Stunden lang intubiert. Am 6. Oktober endgültige Detubation. Inzwischen heilte die tracheale Wunde vollkommen. Beim Weinen ist das Atmen zeitweise noch laut, bald aber ganz normal, die Stimme ist etwas heiser. Am 17. Oktober wird die Kranke geheilt entlassen. Die Heilung ist eine ständige, wovon ich mich wiederholt persönlich überzeugen konnte. 3. Narbige Kehlkopfverengerung. A. N., 2y2 Jahre altes Mädchen, wurde wegen schweren Symptomen von Larynx- croup, die sofortige Intubation notwendig erscheinen ließen, am 28. Juni 1900 in das hauptstädtische „St. Ladislaus“-Spital aufgenommen. Nachdem bei einem Ex- tubationsversuche nach 87}4stiindiger Tubenlage (lOmalige Intubation) eine schwere Asphyxie eintritt, wird die sekundäre Tracheotomie vollzogen. Die Dekanülementversuche in der Rekonvaleszenz sind ohne Erfolg geblieben und nach­dem sich die sekundäre Intubation als undurchführbar erweist, wird das Mädchen am 13. August mit Kanüle der häuslichen Pflege überwiesen. Aufnahme in das „Stefanie“-Kinderspital am 25. Oktober 1900. Eine Probeintubation mit der kleinsten O'Dwyersehen Tube mißlingt. Am 31. Oktober kann nach mehrfachen Versuchen bei Überwindung eines nam­

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