Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation
I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose
prophylaktische und therapeutische Teilfragen in je größerem Umfange in den Brennpunkt der literarischen Diskusionen gerückt werden. Eine selbständige Abhandlung über dieses Thema stellen außer meiner umfangreichen Arbeit, „Über das Intubationstrauma“, in der ich die Frage gesondert besprach, der Artikel Galattis, „Uber Narbe nstrik- turen nach Intubation“ im 1896er Jahrgang des „Jahrbuch für Kinderheilkunde“ und eine Abhandlung des gleichen verdienten Autors, „Das Intubationsgeschwür und seine Folgen“ vom Jahre 1902 dar. Professor v. Widerhofer erwähnte in der Wiener Sitzung der „Gesellschaft für Kinderheilkunde“ im Jahre 1894, daß er unter 694 intubierten Fällen bei der Nekropsie insgesamt bei sieben Fällen im Kehlkopfe narbige ringförmige Verengerung gefunden hat, und in derselben Sitzung referierte sein damaliger Assistent, Dr. From, vier Fälle gleichfalls aus dem Wiener „St. Anna“-Kinderspitale, bei denen sich nach Intubation eine ständige Striktur, in dem einen Falle in so schwerer Form entwickelt hatte, daß durch die verengte Stelle selbst die dünnste Sonde nicht durchgeführt werden konnte. Professor v. Ranke (München) sah unter seinem großen Intubationsmaterial sieben derartige Fälle1) mit mehr oder minder starker Striktur; die narbige Verengerung entwickelte sich bei allen nach sekundärem Luftröhrenschnitt; von den sieben Kindern starben sechs während der Zeit ihres Spitalsaufenthaltes an interkurrenten Erkrankungen; eines blieb am Leben, ward jedoch zum Kanü- lard. Professor Ganghofner (Prag) besitzt laut einer gütigen Privatmitteilung keine größeren Erfahrungen über narbige Strikturen, trotzdem er bei seinen Croupkranken sozusagen ausnahmslos intubiert und die sekundäre Tracheotomie bloß ganz ausnahmsweise ausführt. Unter seinen, das 1000 weit überschreitenden Intubationsfällen erinnert er sich bloß an drei Fälle, von denen zwei noch auf die Vorserumperiode entfallen. Der narbige Verschluß war in allen drei Fällen ein kompletter. Baginsky (Berlin) sah bis 1898 vier ausgesprochene narbige Verengerungen in seinem Spitalsmateriale. Heubner1 2 3) beobachtete in seinem Leipziger Materiale einen Fall unter 250 Intubierten, Variot (Paris, Höpital Trousseau) in den Jahren 1895—1896 bei ca. 500 Fällen drei, und Bayeux sammelte aus dem kolossalen Materiale des Pariser „Höpital des Enfants malades und „Höpital Trousseau“ von zwei Jahren zusammen nur vier Fälle. Hingegen sah Galatti (Wien) zwei Fälle unter 31 und Grósz (Budapest, „Adele Brödy“-Kinderspital) beobachtete unter seinen 102 Intubationsfällen bis 1900 vier narbige Strikturen und in drei Fällen vollen narbigen Kehlkopfverschluß, Gerlóczy (Budapester städtisches „St. Ladislaus“-Spital) unter 565 intubierten Fällen bis 1900 17 Fälle von narbigem Verschluß, bzw. narbiger Verengerung4). Während daher die anderen Beobachter dieser in ihren Folgen so schweren Veränderung verhältnismäßig selten (0,40—0,60 Prozent) begegneten, betrug diese in dem Material von Gerlóczy, bzw. Grósz ungefähr 3 bis 6 Prozent, eine für alle Fälle etwas hohe Verhältniszahl. 1) Gefällige briefliche Mitteilung im Jahre 1900. 2) Wiener Sitzung der „Gesellschaft für Kinderheilkunde.“ 1891. 3) Gefällige briefliche Mitteilung im Jahre 1900. 4) Gefällige briefliche Mitteilung im Jahre 1900. 144 Die O’Dwyersche Intubation und deren Ausübung- bei der diphtherischen Larynx-Stenose.