Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose

145 Ich habe in meinem Materiale, welches sich bis zur Zeit dieser Mit­teilung auf 1559 Fälle erstreckt, narbige Kehlkopfstrikturen, beziehungs­weise vollen narbigen Verschluß zusammen bloß in fünf Fällen (0,32%) beobachtet (vier Strikturen, eine volle Verwachsung), und wenn ich in dieser Arbeit über mehr Fälle berichte, so kommt dies daher, daß außer meinen eigenen Fällen in das unter meiner Leitung stehende „Stefanie“- Kinderspital auch aus anderen Spitälern solche Kranke zur Behandlung gebracht wurden. Dillon Brown in New York1) stellt die Häufigkeit der postdiph­therischen Verengerung auf 1 : 75 —100, es sei jedoch bemerkt, daß in dieser Verhältniszahl nach Angabe des Autors auch die aus der Hypertrophie der subglottischen Gewebe entstehenden Stenosen inbe­griffen sind. Es ist bemerkenswert, daß ich in der riesigen amerika­nischen Intubationsliteratur zusammen bloß zwei Fälle eruieren konnte [gemeinsame Beobachtung von O'Dwyer und A. M. Lesser, so­wie der Fall von Northrup* 2)], wo als Folgezustand der Intubation die Entwicklung einer narbigen Stenose konstatiert wurde, was ohne Zweifel nicht bedeutet, daß in der Heimat der Intubation nicht mehr ähnliche Fälle vorgekommen wären, beschäftigt sich doch O'Dwyer selbst in genug eingehender Weise mit der Möglichkeit der Strikturbildung in seinem ausgezeichneten Artikel „Retained intubation tubes, causes and treatment“, sondern ein Beweis dessen ist, daß diese Ver­narbungen den amerikanischen Intubatoren infolge der später anzu­führenden Gründe (siehe „Prophylaxe“) kaum größere Schwierig­keiten bereiten konnten. Wenn wir uns auf literarische Angaben und auf eigene Erfahrungen stützen, konnten wir beinahe den Eindruck gewinnen, daß narbige Kehlkopfverengerungen und narbige Kehl köpf ver Schlüsse nach der Intubation ausschließlich nach Larynxdiphtherie auftreten, es wäre dies jedoch sicherlich eine irrige Schlußfolgerung, da sich auf Grund unserer heutigen Kenntnisse feststellen läßt, daß die in Rede stehenden Krank­heitsprozesse sich auch nach aus anderen Ursachen vollzogener Intubation entwickeln können. Daß sie bisher ausschließlich nach Ablauf von Diphtherie beobachtet wurden, hat seine Erklärung nebst anderen Mo­menten hauptsächlich darin, daß, während sich die Zahl der bei Diphtheriekranken vollzogenen Intubationen auf viele Tausende erstreckt, demgegenüber die Zahl der aus anderen Ursachen vorgenommenen In­tubationen (siehe S. 169) noch immer sehr gering ist und kaum auf einige Hundert geschätzt werden kann. Daß diese narbigen Strikturen und Verwachsungen des Kehlkopfes sozusagen ausschließlich mit den zuweilen als Folgezustände der Intu­bation erscheinenden schweren Decubitalgeschwüren in direktem Zu­sammenhang stehen, unterliegt keinem Zweifel, und da die Entwicklung der narbigen Striktur in den bisher beobachteten und beschriebenen Fällen ausschließlich in der subglottischen Gegend erfolgte, können wir auch Uber die nach der Intubation entstandenen Kehlkopf Verengerungen. U Archiv, of Pedriatics. 1897. Nr. 7. 2) Archiv, of Pediatrics. 1900. Okt. v. B ó k a y, Die Lehre von der Intubation. 10

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