Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation
I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose
140 Die O’Dwyersche Intubation und deren Ausübung- bei der diphtherischen Larynx-Stenose. d) Über die nach endgültiger Entfernung der Tube eventuell zurückbleibende Heiserkeit. Zu den Kapiteln über das Trauma durch Tubenlage und Extraktion können wir als Anhang die Besprechung der Heiserkeit anfügen, welche als Folgeerscheinung der Intubation aufzutreten pflegt. Die Heiserkeit nach der endgültigen Extubation gehört nicht nur nicht zu den Seltenheiten, sondern wird — nach dem einstimmigen Urteile der mit Intubation beschäftigten Ärzte — bei den operierten Fällen, mit wenigen Ausnahmen beinahe bei allen (nach Chaillou bei 2/3 der Fälle) beobachtet, indem dieselben den gewohnten Klang der Stimme kürzere oder längere Zeit hindurch entbehren, mehr oder minder heiser, eventuell auch vollkommen ohne Stimme sind. Es taucht nun die Frage auf, was verursacht diese Heiserkeit? Und steht dieselbe in direktem Zusammenhänge mit der Intubation? Die in einem früheren Kapitel mitgeteilten Sektionsprotokolle deuten zwar darauf hin, daß bei der einen oder anderen Leiche mehr oder minder starke Verletzungen der echten und falschen Stimmbänder und daraus entstehende pathologische Veränderungen an den Stimmbändern tatsächlich Vorkommen, derartige Sektionsbefunde sind aber dennoch verhältnismäßig selten, so daß davon durchaus nicht die Rede sein kann, den mehr oder weniger intensiven Grad der nach der Extubation bemerkbaren Heiserkeit in jedem Falle auf anatomische Veränderungen beziehen zu können. Und wenn v. Widerhofer auf die Heiserkeit hinzielend sagte: „daraus folgt, daß begreiflicherweise ganz oberflächliche Schleimhautveränderungen durch den Tubus druck fast als Regel angesehen werden müssen“, so kann man diesen Ausspruch bloß auf eine Gruppe der Fälle beziehen, doch nicht für allgemein gültig anerkennen, da, wie wir in folgendem auseinanderzusetzen Gelegenheit haben werden, bei dem Auftreten der Heiserkeit auch andere, von der Intubation ganz unabhängige ätiologische Faktoren mitwirken können. Die Frage ist einerseits: Ist eine Proportion zwischen der Zahl der Tubeneinführungen und dem Auftreten, bzw. dem Grade der Heiserkeit zu finden, und steht — andererseits — die Intubationsdauer zur Intensität der Heiserkeit im Verhältnisse? Inwiefern die Zahl der Tubeneinführungen das Auftreten der Heiserkeit und die Dauer ihres Bestehens beeinflußt, läßt sich bedauerlicherweise auf Grund statistischer Angaben aus der Literatur nicht feststellen, und auch mein Material ist in dieser Hinsicht nicht heranzuziehen, doch muß ich es für wahrscheinlich halten, daß, je zahlreichere Tubeneinführungen bzw. Intubationsversuche vorausgegangen sind, um so eher eine wenn auch leichte Beschädigung der Stimmbänder erfolgen kann, deren Folgezustand die nach der Extubation bemerkbare Heiserkeit sein kann. Die so entstandene Heiserkeit wird dann nicht in die Gruppe der während der Tubenlage aufgetretenen traumatischen Einwirkungen einzureihen sein, sondern muß als Folge des während der Einführung erlittenen Traumas betrachtet werden. Nach meiner Ansicht tritt die auf letztere Art entstandene Heiserkeit relativ selten auf und kommt vielleicht bei