Inventare Teil 9. Inventar des Verkehrsarchivs in Wien (1959)

Die Bestände des Verkehrsarchivs: - A. Selekte und Gesamtregistraturen von Hofstellen und Ministerien

43 zur Ausführung. Andererseits wurden verschiedene Bahnen durch militäri­sche Stellen ausgeführt, die später wieder dem Friedensverkehr dienten (so unter anderem: Hermagor—Kötschach-M. sowie Grödnertal- und Fleimstal- bahn in Südtirol); durch die Staatseisenbahnverwaltung erfolgte wieder der Bau der Wiener Umfahrungslinien und die Vollendung des zweigleisigen Ausbaues der Strecke von Salzburg nach Wörgl. In organisatorischer Beziehung brachte der Weltkrieg de facto zwei weitgehende Veränderungen; einerseits das Übergewicht von militärischen Stellen (Chef des Feldeisenbahnwesens, bzw. die ihm unterstellte Zentrale Transportleitung, welche den Kriegs­verkehr in der gesamten Monarchie leitete, während für den — nur theoretisch unabhängigen — Friedensverkehr die Kompetenzen ziviler Stellen in Österreich und Ungarn aufrecht blieben), andererseits bewirkte die zunehmende Bewirt­schaftung eine immer stärkere Zentralisierung, sodaß der Aufgabenkreis der Staatsbahndirektionen und auch der privaten Eisenbahnverwaltungen sichtbar eingeengt wurde. Seit etwa Mitte 1917 wurden die Zerfallserscheinungen im österreichischen Eisenbahnverkehr immer stärker, nachdem noch in den Jahren 1915/16 auch auf dem Gebiete des zivilen Verkehres bedeutende Leistun­gen vollbracht worden waren. Über alle nur skizzenhaft angedeuteten Probleme geben die Aktenbe­stände genügend Aufschluß. Nach dem Zusammenbruch verwahrte den gesamten, rund 1.4 Millionen Geschäftsstücke zählenden Bestand zunächst das Verkehrsministerium; seit 1923 wurde er jedoch als gemeinsamer Besitz der Hoheitsverwaltung und des Unternehmens von der Generaldirektion der ÖBB im Schillerhof registraturmäßig betreut. In den Jahren 1929 bis 1932 wurde die gesamte Registratur vom Verkehrsarchiv übernommen, wobei die allgemeinen Akten nach einem von der Archivleitung aufgestellten Schema einer Skartierung unterzogen wurden; das Personal hiezu wurde teils vom Handelsministerium, teils von den Bundesbahnen gestellt. Gleichzeitig er­folgte eine Bereitstellung verschiedener Geschäftsstücke auf Grund gesetz­licher Bestimmungen an die anderen Nachfolgestaaten. Was die Benütz­barkeit dieser Registratur betrifft, muß festgestellt werden, daß durch eine gute Indizierung und Anwendung einer laufenden Zahlenregistratur die Anlage von speziellen Archivbehelfen kaum mehr notwendig sein dürfte. Im einzelnen sei für Verwaltungszwecke darauf hingewiesen, daß durch die Er­weiterung der Kompetenzen der Staatsbahndirektionen in den Jahren 1909 und 1911 gewisse Nachforschungen nur erfolgreich für den Zeitraum bis zu diesen organisatorischen Änderungen verlaufen können. Gegenüber dem Zeitraum vor 1896 sind die Präsidialakten nicht von so großer Bedeutung, da diese vor­wiegend konkrete Personalsachen betreffen. Wertvoll für die Geschichts­forschung sind besonders die allgemeinen vertraulichen Akten und das Ge­heime Protokoll des Präsidiums (wegen der Fragen der Nationalitäten, Tätigkeit der Gewerkschaften usw.) sowie die militärischen Akten über die Kriegsvor­bereitungen im Eisenbahnverkehr und aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Verzeichnis: 959 Kartons, allgemeine Akten (1896 — 1918), Zahlenregistratur

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