Inventare Teil 8. Inventar des Kriegsarchivs in Wien (1953)
II. Band - 13. Die Bibliothek
94 Punkte dieser Instruktion lauteten: Punkt 3: „Die vom Aerar aus der Verlassenschaft des Feldzeugmeisters Paul von Bohn angekauften Bücher über das Geniewesen“, und Punkt 4: „Die vorhandenen Exemplare des Polybius und andere die Kriegskunst behandelnden Bücher, welche etwa künftig herausgegeben werden würden, sind der Bibliothek einzuverleiben.“ Ferner waren nach Punkt 5: „Die gedruckten wie auch die geschriebenen Eeglements, welche bisher erschienen waren und ferner ausgegeben werden sollten, entsprechend zu sammeln.“ Damit war der Grund zur Anlage der hofkriegsrätlichen Büchersammlung gelegt. Die 1801 vom GQuMSt. erlassene Instruktion unterstellte die Büchersammlung der „Abteilung für Theorie und Geschichte der Kriegswissenschaften“, welche neben Mémoires und Landesbeschreibungein an erster Stelle eine geordnete Sammlung der besten militärischen Schriften oder gedruckten Werke umfaßte und in derselben Abteilung noch die gedruckten Keglements und Vorschriften über Organisation und Taktik des eigenen und der fremden Heere verwahrte. Infolge der bedeutenden Vermehrung des Bücherbestandes und der erhöhten Anforderungen, welche an die Büchersammlung gestellt wurden, erfolgte 1808 die Konstituierung der Büchersammlung als selbständige Abteilung des KA., die ab 1811 den Titel „Kriegsbibliothek“ führte. Besonders FML. Graf Radetzky trug viel zur Vermehrung des Bücherbestandes und zur Regelung des Dienstbetriebes bei, doch zwangen die 1817 einsetzenden Reformen zu weitgehender Einschränkung der Ankäufe. Die Folgezeit bedeutete eine Konzentration des gesamten Bibliotheksbetriebes auf rein militärwissenschaftliche Sphären und zeitigte 1825 den ersten gedruckten Katalog. Während dieser ersten, 564 Seiten starken Übersicht noch die alphabetische Ordnung und der Index fehlen, gelang es in den folgenden Dezennien, an Hand der von Mjr. Johann Baptist Sch eis ausgearbeiteten Grundsätze, einen alphabetischen Bücherkatalog herauszubringen, der auf 938 Seiten 8817 Werke mit 20.843 Bänden ausweist. Dieser Katalog wurde 1853 gedruckt, besitzt jedoch noch kein Register. Ähnlich wurden auch der 1869 unter Appel erschienene II. Teil und die 1870 und 1879 erschienenen Ergänzungsbände des Katalogs gearbeitet. Die Reorganisation vom Februar 1876 brachte für die Bibliothek keine wesentlichen Veränderungen, ihre Aufgabe hatte im Sammeln und im Bereithalten aller guten militärischen und militärhilfswissenschaftlichen Werke zu bestehen. Von weittragender Bedeutung dagegen war die 1888 erlassene „Dienstvorschrift für das k. u. k. Kriegsarchiv“. Diese Vorschrift legt in der „Geschäfts-Behandlung in der Bibliothek-Abteilung“ den Umfang des Bücherbestandes dem Inhalte nach fest, bestimmt die Agenden der einzelnen Beamten, vor allem die Führung der Kataloge, Protokolle und Vormerkbücher, und regelt die Bibliotheks-Benützung. 1896 erschien der letzte gedruckte Katalog der Bibliothek des KA., nach 24 Wissensgebieten gegliedert. Außerdem erhielt dieser Katalog noch ein gedrucktes Autorenverzeichnis, zu welchem Nachträge erschienen. Die durch den Katalog festgelegte Organisation der Bibliothek überdauerte auch die große Übersiedlung vom alten Kriegsministerium in die Stift-Gasse, und sie erlaubte auch, alle in den letzten Jahren vor dem ersten Weltkriege erschiene-