Inventare Teil 5. Band 7. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Belgien, von Oskar Schmid

90 Belgien. III. Repertorium P. Die Bestände des Repertoriums P1 mit Einschluß von Teilen des Reper- torimus DD1 Abteilung B blau 9, blau 54, 231—239, 242, 243, 245—247 (Bruchteile der Registraturen Philipps von Burgund, Kaiser Maximilians L, Kaiser Karls V., der Statthalter Herzogin Margarete und Königin Maria, Kaiser Ferdinands L, Erzherzogs Albert und der Infantin Isabella u. a.). a) Einleitung (Allgemeines, historischer Überblick). Die Abteilung gewinnt durch die jüngst erschienene Biographie Karls V. von Karl Brandi1 2 Leben und Gestalt. Diese meisterhafte Darstellung ver­wertet in weitgehendem Maße die vorliegenden Bestände, zeigt, welch her­vorragende Erkenntnisse aus den Akten gewonnen werden können und wie ferner diese, von einem hervorragenden Gestalter erfaßt, die geschichtliche Entwicklung lebendig erstehen lassen. Es ist damit ein leuchtender und sinnvoller Ausdruck der innigen Verbindung zwischen einem Meister deut­scher Geschichtsschreibung und unserem Archiv geschaffen worden. Dem Leser unseres Gesamtinventars wird in diesem Werk auf Schritt und Tritt die Auswertung der historischen Bedeutung der in weiterer Folge verzeich- neten Schriftstücke begegnen, so daß sich Einzelhinweise erübrigen. Im November 1504 sah sich der in den Niederlanden weilende Erzher­zog Philipp der Schöne veranlaßt, seine Heimat zu verlassen, um nach dem Ableben seiner Schwiegermutter Isabella von Kastilien in Spanien nach seinen Rechten zu sehen.3 Aber erst am 10. Jan. 1506 trat er die Reise zur See von Middelburg dorthin an, nicht ohne vorher Wilhelm von Croy, Seigneur de Chiévres, Baron d’Arschot, die Sorge für sein Söhnchen Karl ans Herz gelegt und die interimistische Regentschaft über die Niederlande übertragen zu haben. Weder seinen Sohn und Erben noch die Heimat sollte Philipp jemals Wiedersehen; er starb plötzlich, vermutlich an Gift, in Burgos am 25. September desselben Jahres. Diesmal übernahm zunächst sein Vater, König Maximilian — der Erbe Karl zählte damals kaum sechs und ein halbes Jahr —, so wie schon einmal, im Jahre 1482, nach dem ebenso unvorhergesehenen Tode seiner Gemahlin Maria, die Verwaltung der Nie­derlande. Infolge anderweitiger dringender Verpflichtungen war er jedoch außerstande, die Zügel der Regierung selbst zu ergreifen; es mußte eine Vertretung bestellt werden. Es besteht kaum ein Zweifel, daß die seit 1504 verwitwete Tochter Maximilians, die Herzogin Margarete von Savoyen, schon zur Zeit, als sich Philipp zur Reise nach Spanien rüstete, den leb­haften Wunsch zu erkennen gegeben hatte, während seiner Abwesenheit die Zügel der Regierung in den Niederlanden zu übernehmen. Philipp be­1 Siehe S. 81 Anm. 1. 2 Karl Brandi, Kaiser Karl V., München 1937. 3 Ygl. Henri Pirenne, Geschichte Belgiens, III. Band, Gotha 1907, S. 71 ff.; Andreas Walther, Die burgundischen Zentralbehörden unter Maximilian I. und Karl V., Leipzig 1909, S. 90ff.; Karl Brandi, Berichte und Studien zur Geschichte Karls V., IV. Folge in den Nachrichten von der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, phil.-hist. Klasse, 1931, S. 248. Zur Geschichte der Statthalterin Margarete vgl. Max Bruchei, Marguerite d’Autriche Duchesse de Savoie, Lille 1927.

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