Inventare Teil 5. Band 7. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Belgien, von Oskar Schmid

84 Belgien. Jahre 1387 zugé wachsen waren und in der Genter Burg von dem Rat im Provinzialrat von Flandern, Serénél van Driel, und dem Rat der Rechnungs­kammer von Lille, Jehan Stercke, zufolge der Ordonnanz Philipps II. vom 30. März 1594 inventarisiert wurden.1 Auch diesen Teil brachte man in ähnlicher Weise wie den alten Bestand in Schränken und Laden mit bild­lichen Bezeichnungen sowie in Koffern, nach Betreffen geordnet, unter. Während das genannte Archiv von Rupelmonde in Ostflandern die flandrischen Urkunden oder zumindest einen erheblichen Teil derselben umfaßte, war hingegen ein Turm des Schlosses von Yilvorde in Brabant, seit wann, wissen wir in Wien nicht, der Aufbewahrungsort der Brabanter Urkunden und der des Herzogtums Luxemburg und der Grafschaft Chiny. Zur Zeit des niederländischen Aufstandes gegen die spanische Herrschaft wurde der dortige Bestand nach Brüssel in einen Turm der Chambre des comptes gebracht, um dann gegen Ende der Achtzigerjahre des 16. Jahr­hunderts, nachdem vorher die Urkunden von Luxemburg und Chiny aus­geschieden wurden, wieder nach Yilvorde überführt zu werden. Zum Zwecke dieser neuen Übersiedlung wurden auf Veranlassung des Kanzlers und Garde-chartes von Brabant, Niclas Damant, und unter Mitwirkung des Rates im Conseil privé, Anthoine Houst, der Rat der Chambre des comptes Gérard de Pauw und Philipp de Barthem, Sekretär im Conseil de Brabant, beauftragt, in der Chambre des comptes in Brüssel die Brabanter Urkunden zu übernehmen, zu inventarisieren und nach Vilvorde zu bringen. Aus dieser Tätigkeit erwuchs das Repertorium XXII olim XXV (AB. 404), also eine Art Übemahmsverzeichnis aus Anlaß einer Übersiedlung.1 2 3 Die Archi­valien von Luxemburg und Chiny scheinen jedoch in Brüssel liegen geblie­ben zu sein. Sie wurden erst 27 Jahre später, 1615, geordnet und inven­tarisiert, welche Tätigkeit im Repertorium XXII (AB. 190) ihren Nieder­schlag fand. Im Anschlüsse daran wäre vielleicht noch ein in Repertorium PC, Fasz. 76 verwahrter, minderes Interesse bietender Registerband (Papier in Pappeeinband) zu erwähnen. Er wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahr­hunderts, möglicherweise im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Grafen Jean-Baptist Wynantsa angelegt, trägt die Aufschrift „Répertoire des deux premiers registres des Chartres de 1358—4382“ und zerfällt in zwei Teile, in ein „Répertoire du premier registre des chartres, reposant en la chambre des comptes du Roy ä Lille, commengant en 1358“ und in ein „Répertoire du second registre des chartres“, das wiederum in drei Untergruppen zer­fällt und bis 1384 reicht. Der Behelf ist im ersten Teil nach Betreffen, meist ohne Zeitangaben, geordnet. 1 Vgl. Rep. P C Fasz. 75, Einleitung. 2 Vgl. die Vorbemerkungen im AB. 404, insbesondere die Ordonnanzen auf S. 4 und 6. Vgl. auch Inventaire des inventaires de la deuxiéme section des archives générales du royaume par Joseph Cuvelier (Bruxelles 1904), S. 80, No. 85: Inventaire des chartes de Brabant reposant au chateau de Vilvorde et á la Chambre des comptes, dressé en 1622, ferner ebenda, S. 151, No. 340: Inventaire des chartes, cartulaires et keures (Handfesten) de la ville de Vilvorde (Bruxelles 1879), 1349—1736. 3 Vgl. Bd. I S. 201 zu AB. 191 und unten die Ausführungen S. 103 ff.

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