Inventare Teil 5. Band 7. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Belgien, von Oskar Schmid

II. Niederländische Urkunden. 85 Nicht aus provenienzgemäß zusammenhängenden Beständen erwach­sen, jedoch als gründliche Zusammenfassungen sind die Bände 22 a—c sowie 23 a—d der Reihe der Indices, Protokolle, Verzeichnisse, Inventare (unten IV d) anzusehen und an dieser Stelle anzuführen (AB. 196). Die Bände 22 a, 22 b, 22 c, „Diplomata Belgica“ Tom. XVII (1461—1480), Tom. XVIII (1481—1510), Tom. XIX (1511—1555) bilden eine Regesten­sammlung aller zur Zeit ihrer Herstellung bekannten, erreichbaren belgi­schen Urkunden und stellen die Reste eines Werkes dar, das der Nummern- gebung der Bände zufolge mindestens 19, vielleicht auch mehr Bände um­faßt hat. Es sind darin nicht nur die Bestände der sogenannten Braban- ter und Luxemburger Urkunden, der Archive der Audience (unten III c), der Chambre des comptes usw. verarbeitet, sondern auch eine Reihe von ge­druckten Quellenwerken hauptsächlich des 17. Jahrhunderts, wie A. San- derus, Flandria illustrata (1641), J. le Roy, Notitia Marchionatus Sacri Romani Imperii (1678), Aub. Miraeus, Goldast, Carolus Scribanus u. a. Es erweckt den Eindruck, daß diese gelehrte Kompilation vielleicht auch den wissenschaftlichen Arbeiten der beiden Grafen Wynants1 im Zusammen­hänge mit deren archivalischen Ordnungsarbeiten ihr Entstehen zu ver­danken hat. Erhalten sind, wie erwähnt, drei stattliche Kleinfoliobände in Leder; die einzelnen ausführlichen Regesten, von verschiedenen Händen auf Zetteln angefertigt und am Ende mit Quellenangaben versehen, sind in die Blätter des betreffenden Bandes eingeklebt. Die Regesten sind fran­zösisch oder flämisch, je nach der Sprache des Originals, nur für deutsche Stücke wurde ein französisches Regest angefertigt. Die Sammlung besitzt, trotzdem uns nur ein kleiner Teil vorliegt, zweifellos Wert. Die Bände 23 a und 23 b der gleichen Reihe bilden den ersten Teil (Tomus I pars 1 und 2) eines „Inventaire des Chartres de la Chambre des comptes ä Lille“ und umfassen den Zeitraum von 1385—1531. Die Ein­teilung der Stücke geschieht nach Materien (Octrois, Amortissements, Fon- dations et Obligations de service divin, Legitimations, Annoblissements, Priviléges, Traités etc. etc.). Die Regesten, die innerhalb der Materien­einheit ungefähr chronologisch angeordnet und mit fortlaufenden Nummern versehen sind, weisen am Rande ein kurzes Schlagwort (etwa „Notre Dame de Cambrai“, „Binges“, „St. Pierre de Lille“ usw.) auf. Die Daten der Stücke sind nicht vermerkt und ergeben sich nur ungefähr aus der Signatur am Ende des Regestes (Reg. de Lille 1393 ä 1399, 1399 ä 1403, 1403 ä 1412). Die beiden Teile des Tomus I enthalten zusammen ungefähr 4300 Stücke. Die Bände 23 c und 23 d (Tomus II pars 1 und 2), die Fortsetzung des Tomus I von 1531—1625, zeigen die gleiche Anordnung; die Numerierung der Regesten beginnt wieder bei Nr. 1 und reicht bis fast Nr. 6700. Alle vier Teile des Tomus I und Tomus II zeigen ein und dieselbe Schrift; die Signaturen sind anscheinend später nachgetragen worden. Zustandegekommen ist dieses stattliche Werk in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es scheint eine Frucht der Ordnungs- und Inventarisie­1 Vgl. oben S. 84 Anm. 3.

Next

/
Thumbnails
Contents