Inventare Teil 5. Band 7. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Belgien, von Oskar Schmid

Gängen des Karmeliterklosters Raum. Dem Drängen der österreichischen Hofkanzlei, die Archive möglichst bald nach Wien gelangen zu lassen, kam man jedoch erst im Sommer des Jahres 1801 nach. Die auf dem Wasser­wege abtransportierten Akten wurden zunächst in einem Stadel des Wasser­bauamtes in Nußdorf untergebracht und kamen dann zum Teil in das Ge­bäude der alten niederländischen Hofkanzlei in der Herrengasse, zum Teil in das Laurenzerkloster, wo sie bis auf weiteres in Verwahrung blieben.1 Die Wiener belgischen Registraturen und der aus Brüssel geflüchtete Teil derselben waren also zunächst an einem Orte vereinigt. Schon im Jahre 1803 sollten laut eines vom Kaiser erflossenen Auf­trages von den vorläufig im Gebäude der niederländischen Hofkanzlei auf­bewahrten belgischen Archivalien diejenigen Akten für das StA. ausge­schieden werden, die ihrer Natur nach dazu geeignet seien, insbesondere Akten aus der Regierungszeit Karls V. An eine Vereinigung der niederländischen Akten im StA. war jedoch noch nicht zu denken und auch die Hinterlegung dieser Registraturen in Wien sollte nur von kurzer Dauer sein. Laut Artikel 13 des Friedensver­trages von Campo Formio und Artikel 17 des Friedensvertrages von Luné- ville erfolgte noch im Sommer des gleichen Jahres eine Ablieferung von 125 Kisten mit belgischen Archivalien an die französische Gesandtschaft in Wien durch den letzten niederländischen Staats- und Kriegssekretär Hofrat Heinrich Freiherrn von Müller-Hornstein. Es handelte sich in der Hauptsache um belgische Verwaltungsakten des 18. Jahrhunderts (Provenienz Generalgouvernement). Archivalien aus den Registraturen Karls V. und der beiden Statthalterinnen Margarete und Maria wurden damals nicht ausgefolgt.* 1 2 Für die Vornahme irgendwelcher Ordnungsarbeiten waren die unruhi­gen Zeiten der napoleonischen Kriege natürlich keineswegs geeignet, die wenigen wissenschaftlichen Beamten des Archivs auch viel zu sehr mit anderen Arbeiten, durch Übernahme und Abgabe großer Archive überlastet, III. Eep. P: c) Die Registraturen der niederländischen Zentralbehörden. Ill Um die übrigen nach der Flucht im Jahre 1794 in der Chambre des comptes zurückgelassenen Archive nahm sich der Konservator der öffentlichen Bibliothek La Serna-Santander an, der sie aus Furcht, sie könnten von den Franzosen in Beschlag genommen und nach Frank­reich gebracht werden, in den Schränken seiner Bibliothek verbarg. 1 Vgl. Bd. I, Einleitung S. 130* und die Note der böhmisch-österreichischen Hof­kanzlei an die Staatskanzlei vom 26. Aug. 1800, ferner die Note der Staatskanzlei an jene vom 3. Sept. 1800, wo es heißt, daß man die „284“ Kisten mit den belgischen Akten einstweilen in Linz oder in der Umgebung an einem nächst der Donau gelegenen Ort belassen möge. Die Angabe der Kistenzahl ist also sehr schwankend; vermutlich wurden die Pretiosen enthaltenden schon eher abtransportiert. — Über die vorläufige Verwahrung in Wien vgl. Administrative Registratur des k. u. k. Ministeriums des Äußern F 14, Fasz. 3: Note verbale der belgischen Gesandtschaft in Wien vom 14. Juli 1864 (Konvolut Belgien, fol. 75—83). Vgl. auch Brandi IV, S. 247 Anm. 1 (Walser). 2 Empfangsbestätigung der französischen Gesandtschaft in Wien über 125 Kisten belgischer Akten in Reg. des StA. Z. la/1803. Vgl. auch den Band 27 der Indizes, Proto­kolle, Verzeichnisse, In ventare am Schlüsse der Ausführungen über Rep. DD, Abt. B „Übersicht über die Zahl der Kisten, Verzeichnisse über den Inhalt usw.“ (unten IV C/d) d. d. Wien, den 28. Juli 1803 (abgedruckt bei Laenen, a. a. O. S. 6—16) und den Erlaß an den Grafen Johann Philipp Cobenzl in Paris vom 28. Aug. 1803 (Expeditionen nicht­politischen Inhaltes).

Next

/
Thumbnails
Contents