Inventare Teil 5. Band 7. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Belgien, von Oskar Schmid

III. Rep. P: c) Die Registraturen der niederländischen Zentralbehörden. 103 Die Schränke A—E waren in einem großen Zimmer des Turmes der Chambre des comptes untergebracht, überdies noch vorhandene Schränke F und G hingegen befanden sich in einem anderen Turmgemach und wur­den von Dirix überhaupt nicht berücksichtigt, so daß uns ein Verzeichnis und auch die Kenntnis des Inhaltes dieser beiden Abteilungen gänzlich mangelt.1 In groben Umrissen angedeutet enthielten die Abteilungen A und C vor allem diplomatische Akten aus den Registraturen der Statthalterinnen und Karls V., B mit Ausnahmen mehr innerpolitische Belange der burgun- dischen Kanzlei, die Abteilungen D (1471—1632) und E (1579—1690) des­gleichen; Gnadenakte, Privilegien, Patente, Vollmachten, Bestätigungen, Verkäufe, Verpachtungen, Verpfändungen usw. Dirix vollendete seine tüchtige Arbeit — ohne natürlich eine Schei­dung zwischen Akten der Audience und der Sécretairerie d’état zu treffen — am 24. Dez. 1749. Die von den Franzosen verschleppten Teile mußte er natürlich unberücksichtigt lassen.1 2 Wie schon erwähnt, befindet sich das Original des von ihm geschaffenen Behelfes zweifellos in Wien, und zwar als Band ad 25 der Reihe der „Indices, Protokolle, Verzeichnisse, Inven- tare“.3 Eine wesentliche Rolle im belgischen Archivwesen fällt dann den bei­den Grafen Wynants, Goswin und Jean Baptist, Onkel und Neffen, zu.4 Sie scheinen auch das treibende Moment verkörpert zu haben, als der Statt­halter der Niederlande Herzog Karl Alexander von Lothringen 1754 über den trostlosen Zustand und über die Unordnung, in der sich die Archive verschiedener belgischer Departements befinden sollten, Bericht nach Wien erstattete.5 Der jüngere Wynants bewarb sich um die Betrauung mit den 1 Überdies gab es aber noch die Abteilungen H und I. Vgl. S. 102 Anm. 3. 2 Dabei ist anzunehmen, daß diese Abteilung viel weniger dem Zugriff der Franzosen ausgesetzt war als die Urkundenbestände. Vgl. die Rep. XXI olim XXIV (AB. 191) und XIX (AB. 192) im Bd. I S. 201, 202. Vgl. auch S. 86—88. 3 Vgl. unten IV d. In der Abhandlung von Edg. Mameffe, a. a. 0. S. 8 findet sich zwar die Angabe, daß das Original sich in Brüssel befände und dort den Band Nr. 1130 „Inventaire des Archives du Conseil d’Etat depuis 1180 jusqu’en 1700; Inventaire de 1749; Ordre alphabétique“ der Urkunden- und Handschriftenabteilung bilde. Vielleicht handelt es sich um eine Doppelausfertigung. Wir wissen nur, daß anläßlich der Auslieferungen an Belgien im Jahre 1871 eine Kopie des Inventars Dirix in zwei Bänden nach Brüssel gelangte. Vgl. S. 102 Anm. 2. Vgl. auch Belgien Rep. DD, Abt. B, Fasz. 65 „Mémoire sur les Archives“ (1765 Mai) S. 4: „ Le Secrétaire Dirix, autrefois second official de l’Audience, chargé d’en faire l’Inventaire, l’a achevé au mois de Janvier 1749. Quoique sommaire, il forme un trés gros volume en folio . ..“ — In Wien wußte man noch im Jahre 1754 nichts von dem Abschlüsse dieser Arbeit. Vgl. die Depesche Maria Theresias an Karl Alexander von Lothringen vom 16. Juli 1754 (Belgien Depeschen, Fasz. 39), in welcher Erkundigungen über den Stand des Inventars eingezogen werden. 4 Vgl. „Calendrier de la cour de Son Altesse Royale pour l’année bissextile 1760, ä Bruxelles“, S. 54: „Le Conseil souverain de Brabant“ unter den Conseillers an zweiter Stelle: „M. le Vicomte de Wynants, Place de la Monnoye“, S. 66: „Chambre des Comptes“, Auditeur honoraire, ayant la direction des Archives du Gouvernement, M. le Comte de Wynants, Stormstraet. 5 Depesche Maria Theresias an den Statthalter Karl Alexander von Lothringen d. d. 16. Juli 1754 in Beantwortung eines nicht erhaltenen Berichtes vom 12. Juni 1754. — Zu erwähnen ist noch, daß sich mit der Ordnung des Archives des Conseil des domaines et

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