Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Die Handschriftenabteilung von Fritz Antonius

II./2. A. Schatzgewölbe. 179 gehören ihrer Provenienz nach ins Schatzarchiv Innsbruck und wurden von Rosenthal, wie gesagt, aus besonderen Gründen nach Wien gebracht. So interessierte er sich für 1, 3 und 5 wegen „anderweitigen Abgangs“ der darin enthaltenen Stücke, für 2 aber, weil dieses Diplo- matar eine falsche Lesart des Privilegium maius enthielt, so daß es ihm „zur Vermeidung allen weiteren Anstoßes sicherer zu sein geschienen, solches unrichtige Copeibuch (da ohnedem noch ein anderes vollständigeres zurückgeblieben) dort aus dem Wege zu räumen und hierher in das Ge­heime Hausarchiv zu nehmen, bei dessen künftiger Einrichtung dieses Irrthums halber das Nöthige anzumerken unvergessen sein wird“.1 Nr. 4, das Register der zu Baden im Argau verwahrt gewesenen österr. Urkunden von 1422, endlich und die heute leider nicht mehr auffindbare sechste Handschrift, das Inventar der zu Wien, Neustadt und Graz ge­legenen Urkunden von 1424, sollten Rosenthal wohl die Auswahl der wichtigsten Urkunden für das StA. erleichtern. Die Mitnahme dieser beiden Verzeichnisse nach Wien erwähnt Rosenthal erst in seinem Gutachten über die Ensisheimer Archivalien im Jahre 1753, und zwar habe er die zwei ersten — d. h. das Wiener Inventar und den 1. Band des Badner Regi­sters — aus der Hofschatzregistratur zu Innsbruck und das letztere — d. h. den 2. Band des Badner Registers — aus dem dortigen Hofkammer- Schatzgewölbe erhoben.1 2 Bezüglich dieser Badner Handschrift scheint es allerdings, daß Rosen­thal nur einen Band, und zwar den ersten, der die Jahreszahl 1384 trägt, tatsächlich nach Wien mitnahm, denn der zweite, von 1422, erscheint im Jahre 1805 in dem Verzeichnis der damals von Gassier nach Wien gebrach­ten Innsbrucker Archivalien.3 Gassier hatte schon seit dem Jahre 1803 in Venedig geweilt, um aus den dortigen Archiven das für das StA. brauchbare Material auszuwählen, hatte dann die Archive in Trient und Brixen untersucht und war auf dem Rückweg nach Innsbruck gekommen. Noch in Venedig hatte ihn der Auf­trag Cobenzls vom 21. Jan. 1804 erreicht, es müßten außer Burgklehners tirolischem Adler „auch zur Erfüllung der bei der Hiehertransportierung des oberösterr. und vorderösterr. Archivs durch den von Rosenthal übrig gelassenen Lücken die Original-Aufzeichnungsbücher Herzogs Meinhard und die unter seinen Söhnen und noch während der österr. Herrschung fortgeführten sogenannten Registraturen im Hausarchiv deponiert und in­folgedessen die in Innsbruck zurückzulassenden Abschriften baldigst an­gefangen werden“. Im Februar war ihm anbefohlen worden, sein Augen­merk in Innsbruck vor allem auf die Dokumente der tirolischen Linie des Hauses Habsburg zu richten, die dem StA. größtenteils fehlten, und im 1 Winter a. a. 0. S. 36, Anm. 1. * Über das Wiener Inventar von 1424 vgl. 0. Stowasser, Das Archiv der Herzoge von Österreich, S. 27. 3 Eine beglaubigte Abschrift dieser Handschrift wurde im Jahre 1842 für Reg.-Rat Kopp in München angefertigt als Ersatz für die — abgelehnte — Entlehnung des Originals; auch diese Abschrift gelangte später geschenkweise ins Archiv zurück und ist nun als 3. Band der Hs. 450 aufgestellt. 12*

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