Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Die Handschriftenabteilung von Fritz Antonius

180 Die Handschriftenabteilung. Mai erhielt er den Auftrag, in Innsbruck alle Dokumente zu erheben, die Vorarlberg, Vorderösterreich, die Avulsa und Lehen in der Schweiz, Bündten und Schwäbisch-Österreich beträfen. Demgemäß traf er denn unter den Akten, Urkunden und nicht zuletzt den Handschriften seine Auswahl und sandte das erhobene Material zu­sammen mit den Trienter und Brixner Archivalien in insgesamt 21 Kisten, von denen 11 zu Schiff über Hall, 10 zu Wagen über Villach instradiert wurden, nach Wien. Was diese Kisten enthielten, darüber liegen uns zwar mehrere Verzeichnisse vor, doch sind dieselben zum Teil so summarisch abgefaßt, daß sie — insbesondere was die Innsbrucker Archivalien be­trifft — nicht alle Einzelheiten dieser großen Archivalienverschiebung zu klären vermögen. Auch in bezug auf die Beantwortung der uns hier allein interessierenden Frage nach den Handschriften der Provenienz Schatz­archiv Innsbruck bleiben wir zum Teil auf Vermutungen angewiesen. Ge­rade diese Frage wird ja auch noch durch die der Einlieferung der Manu­skripte unmittelbar folgenden Abgaben nach Bayern — wieder über Inns­bruck! — kompliziert und verwirrt. Betrachten wir nun zunächst das Verzeichnis der ersten Sendung, die, wie es scheint, am 25. oder 26. September 1805 aus Innsbruck abging, so finden wir darin von sicherer Provenienz Schatzarchiv nur bei Kiste V unter a) angeführt die „Original-Registraturbücher der alten Landes­fürsten, nach Ausweis des besonderen Verzeichnisses“. Dieses letztere nun, das ursprünglich dem Bericht Gasslers vom 16. Sept. beigelegen hatte, findet sich heute in drei Exemplaren im Geschäftsstück der Registratur des StA. Z. 21 aus 1806 und trägt den Titel: „Verzeichnis der herzoglich Alt- Österreichischen und Kärntnerischen auch Gräflich Tyrol- und Görzischen alten Registraturs-Bücher“. Es zählt in drei Abteilungen insgesamt 117 Manuskripte auf, von denen heute allerdings nur mehr ein Teil — kaum ein Drittel — im Besitz des StA. ist. (Vgl. die Tabelle S. 181—183.) Die erste dieser Abteilungen enthält im wesentlichen Kanzleibücher, die zweite und dritte, die Gassier ursprünglich in Innsbruck zurücklassen wollte, die Raitbücher. Gerade von diesen letzteren ging die Mehrzahl dem Archiv jedoch sehr bald wieder verloren. Der Friede von Preßburg (Bd. I S. 21*) statuierte die ersten großen Archivalienabgaben an das Ausland, von denen auch die Innsbrucker Codices betroffen wurden. Wieder erhielt Gassier den Auftrag, das für die Auslieferung an Bayern geeignete Material auszuwählen, wobei allerdings außer den Urkunden „alle Saalbücher, Codices traditionum, Calendarien, Diptychen, Regesta oder zusammengeschriebene und chrono­logische Urkundensammlungen, alle Manuskripte oder Inkunabeln“ aus­zunehmen und zurückzubehalten seien. Gassier legte seinen Erhebungen das von ihm im vorigen Jahre zu­sammengestellte Verzeichnis zugrunde und ließ daraus, unter Beibehaltung der dortigen Nummern, die von ihm für die Auslieferung bestimmten Codices in eine eigene Liste zusammenschreiben. Am 13. Juni 1808 wurden diese Bände in Innsbruck von dem bayrischen Gubernialrat Königer als

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