Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Die Handschriftenabteilung von Fritz Antonius

II./2. Österreichische weltliche Archive — A. Schatzgewölbe. 175 angelegte Verzeichnis des Wiener Schatzgewölbes,1 erwähnt, mit dem heutigen Bestand an Schatzgewölbehandschriften, so ergibt sich, daß kaum die Hälfte dieser von Putsch verzeichneten Bände heute noch vor­handen ist. Forschen wir aber weiter nach, so sehen wir bald, daß einer­seits das StA. noch bis in den Beginn des 19. Jahrhunderts Handschriften des Schatzgewölbes besessen hat, die heute fehlen, daß aber andererseits in jenem Winter 1753/54, als die Übertragung des Schatzgewölbes an seinen neuen Unterbrängungsort erfolgte,2 bei weitem nicht alle Bände dieser Provenienz, die heute vorhanden sind, übernommen wurden. Wichtige Teile des Bestandes sind vielmehr zu anderen Zeiten und auf anderen Wegen ins StA. gelangt. Weder die Liste der Handschriften, die Putsch verzeichnet, noch jene der heute tatsächlich vorhandenen deckt sich also mit dem Handschriftenbestand, den Rosenthal 1753 übernahm. Bezüglich der erst im 19. Jahrhundert verlorengegangenen Handschrif­ten des Schatzgewölbes besitzen wir einige, wenn auch nicht erschöpfende Nachrichten. So hören wir, daß Rosenthal das Urkundenverzeichnis von 1424 im Jahre 1751 aus Innsbruck nach Wien gebracht hat — es ist seither verschollen.3 Doch auch aus späterer Zeit — 1784 bis 1806 — besitzen wir noch ein Zeugnis über damals vorhandene Handschriften des Schatzgewölbes, die heute unauffindbar sind, ja bereits zur Zeit der Einrichtung der Hand­schriftensammlung (oben S. 148) im Jahre 1812 gefehlt haben müssen. Sie erscheinen in das damals begonnene Verzeichnis — Archivbehelf 446 — nicht mehr aufgenommen. Weinkopf verzeichnet nämlich in seinem zwi­schen 1784 und 1806 verfaßten Aktenrepertorium — Archivbehelf 2/1 — 32 „Bücher“, d. h. Manuskripte, die zum Teil zweifellos dem Schatzarchiv entstammten; gerade von diesen sind jedoch nur einige wenige heute noch auffindbar. Merkwürdig ist dabei, daß diese 32 Bände in späteren Dar­stellungen über die Handschriftensammlung stets als deren angeblicher „Grundstock“ eine bedeutende Rolle spielten, ohne daß man sich darüber klar gewesen wäre, daß der größte Teil gerade dieser 32 Bände schon zur Zeit der Einrichtung der Handschriftensammlung—1812 — gefehlt hat. Von Manuskripten der sicheren oder wahrscheinlichen Provenienz Schatzgewölbe führt nun Weinkopf folgende an: 1. Anschlagbuch der gemeinen Landsteuer auf den benannten Schlössern und Ämtern in Österreich ob der Enns, sig. T; 2. Anschlag­buch auf die Landleute in Österreich ob der Enns, bei Gelegenheit der Ketzer in Böhmen 1468, sig. V; 3. Bestandbuch über die Ämter zu Steier von 1474, sig. W; 4. Bestandbuch über die Ämter zu Steier von 1480, sig. X; 5. Inventarium der Briefe, die im österr. Register ge­schrieben stehen, 1479, sig. Y; 6. Inventarium der Schatzbriefe 1506, sig. Z; 7. Inventarium der Kleinodien, die sich in allen Klöstern, Stiftern und Gotteshäusern der niederösterr. Lande befunden, 1542, sig. AA; 8. Inventar der Pfarre Perchtoldsdorf = Böhm 68, sig. BB; 9. Noteln zu Kanzleihandlungen, Grätz 1478 = Böhm 129, sig. CC; 10 P e u t e 1- und 1 Vgl. oben S. 14 ff. und Otto Stowasser, Das Archiv der Herzoge von Österreich. * Vgl. Bd. I S. 126* * und oben S. 138. 3 Stowasser a. a. O., S. 27.

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