Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Die Handschriftenabteilung von Fritz Antonius

150 Die Handschriftenabteilung. betätigt wurde. Knechtl, der Verfasser unseres Repertoriums, untersuchte mit Zustimmung der Staatskanzlei die seit zwei Jahrzehnten im nieder­österreichischen Regierungsgebäude deponierten geflüchteten Archivalien des Hochstiftes Basel und nahm daraus nebst einigen Aktenstücken zwei Codices1 an sich, die dem StA. einverleibt wurden mit der kurzen Bemerkung: Die Sachen seien mit der laufenden Administration in keinem Zusammenhang, ihr Abgang wenig bemerkbar, auch seien keine Repertorien vorhanden; eine Reklamation sei daher um so weniger zu besorgen als aller Wahrscheinlichkeit nach selbst in Basel kein Individuum mehr existiere, das von diesem seit 20 Jahren geflüchteten Archiv eine genaue Kenntnis besäße! Die Codices mußten späterhin (1850) allerdings trotzdem an die Schweiz zurückgestellt werden, nachdem schon 1838 eine Abschrift des einen Bandes nach Basel geliefert worden war.1 2 Aber nicht nur durch Requisitionen, sondern auch durch Ankäufe wurde die Manuskriptensammlung in diesen Jahren vermehrt. So kam jetzt der Kauf der berühmten Smitmer-Löschnerschen Siegelsammlung endlich zustande, derentwegen schon 1811 vergeblich verhandelt worden war.3 Mit ihr wurden 23 Bände historischer Collectanea des Domherrn Franz Paul Edlen von S m i t m e r erworben, nebst dem umfangreichen Siegelkatalog.4 Auch die Sammlung Kollár wurde 1822 durch den Ankauf von sieben Manuskriptbänden vervollständigt5 und 1830 wurden aus dem Besitz des Wiener Augustinerklosters zwei Codices erworben.6 Im Jahre 1818 begannen auch die Verhandlungen mit dem dalmatini­schen Gubernium wegen des Ragusanischen Archivs,7 die jedoch erst zu Beginn der dreißiger Jahre zu einem Ergebnis führten und der Hand­schriftensammlung des StA. einen einzigen Band einbrachten.8 Weitaus ergiebiger an Manuskripten für das Archiv war die Sendung Knechtls nach Wolfsberg in Kärnten.9 Er brachte aus dem Archiv dieser ehemals hochstiftlich Bambergischen Herrschaft eine ziemlich be­deutende Menge Urkunden, Akten und Handschriften nach Wien, nahm von den letzteren zunächst aber nur sieben Bände in sein Handschriften­verzeichnis auf,10 darunter nur zwei der im Wolfsberger Repertorium11 als Manuscripta bezeichneten Bände. Von den übrigen zehn wurde ein Teil noch vor 1840 (6 Bände), der Rest erst nach 1852 den Handschriften an­gereiht12 und schließlich wurden noch weitere zehn Codices im Zuge der Böhmschen Bearbeitung der Handschriftensammlung aus den Wolfsberger Akten ausgeschieden.13 Die nächste Erwerbung bildeten 1824 eine größere Anzahl (rund zwan­zig Bände) Gesandtschaftsrelationen aus Konstantinopel, die vom Hof­kriegsrat eingeliefert wurden. Es stehen heute allerdings nur mehr 1 Jura et privilegia etc. episcopatus Basiliensis 999—1341 und Lehenbuch des Hoch­stiftes Basel. 2 Die Abschrift kam 1850 zurück und trägt heute die Signatur Böhm 728. 3 Vgl. oben S. 128. 4 Hss. Böhm Nr. 99 und 100; AB. 410. 5 Böhm 277/2—8. 6 Böhm 159 und 1043. 7 Vgl. oben S. 117. 8 Böhm 723. 9 Oben S. 95. 10 AB. 446, S. 80 ff., 256. 11 Rep. V, AB. 380. 12 AB. 447, Nr. 845; Rep. V, fol. 69. 13 Einleitung zu Böhms Supplement, AB. 448.

Next

/
Thumbnails
Contents