Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Die Handschriftenabteilung von Fritz Antonius

I. Geschichte der Sammlung. 151 sieben Bände davon in der Handschriftensammlung, die übrigen wurden 1852 ausgeschieden und in die Türkischen Akten eingelegt.1 Von den im Jahre 1806 ausgelieferten und den durch die Franzosen im Jahre 1809 teils nach Paris, teils nach Italien entführten veneziani­schen Manuskripten waren nicht alle Bände 1815 wieder nach Wien zurückgekehrt. Über die Frage, was von den nun wieder in Venedig befind­lichen Archivalien ins StA. zu bringen sei,2 entspann sich eine längere Korrespondenz, die sich mit Unterbrechung von 1825—1841 hinzog und damit endete, daß neben verschiedenen Urkunden und Akten auch rund 50 Manuskriptbände — die uns hier ja allein interessieren — ins StA. zu­rückgelangten. Auch ziemlich bedeutende Teile der venetianischen Gesandtschaftsarchive Rom, Konstantinopel, Madrid, Petersburg u. a. kamen in diesen Jahren nach Wien, ohne allerdings in die Manuskrip- tensammlung eingereiht zu werden. Erst im Lauf der späteren Jahre wur­den einzelne Teile davon ebenfalls als Handschriften aufgestellt. Nur geringe Reste haben sich in unserer Sammlung erhalten aus dem niederländischen heraldischen Archiv, bwz. dem Nachlaß Beydaels, während die überwiegende Mehrzahl dieser Manuskripte heute in Brüssel und in der Nationalbibliothek zu finden ist. An die Niederlande wurden mehrere dieser Handschriften schon 1826 abgegeben, einige Bände erhielt 1837 das Adelsarchiv der Hofkanzlei, der größte Teil des Restes ist 1869 im Tauschweg an die Hofbibliothek abgetreten worden. So zählen wir heute in der Sammlung nur mehr wenige Bände dieser Provenienz. Ein einziger aus dem Wiener S c h atz ge wö 1 b e-Archiv stammen­der Band kam im Jahre 1835 aus dem Hofkammerarchiv herüber, nachdem im Jahre vorher verschiedene Manuskripte und Urkunden dort angefordert worden waren. Viel größer — 25Bände aus dem InnsbruckerSchatz- archiv und einige Trienter Codices — war zwei Jahre später, 1837, das Ergebnis der Reklamation in Bayern. Es handelte sich dabei um die im Jahre 1809 über Innsbruck an Bayern abgegebenen Tiroler, Trienter und Brixener Codices, an deren Stelle jetzt allerdings ganz andere Bände hereinkamen, die vorher niemals in Wien gewesen und die im Jahre 1813 von Innsbruck nach München gekommen waren. Als Frucht eines Archivalientausches mit dem Innsbrucker Statt­haltereiarchiv, über den seit dem Jahr 1838 verhandelt worden war, kamen 1841 vier Bände Urkundenverzeichnisse, ein Salzburger Codex und Gass- lers historische Aufsätze ins Archiv. Diesen Erwerbungen standen wohl auch einige im Laufe dieser zwei Jahrzehnte erlittene Einbußen an Manuskripten gegenüber. So hatten schon 1818 drei Berchtesgadner Codices, die seinerzeit mit dem Salz­burger Archiv hereingekommen waren, an Bayern abgegeben werden müs­sen, 1830 wurden die „Reschischen Manuskripta“ in die Priesterhausbiblio­thek in Br ixen zurückgestellt und 1835 vier Bände der Sammlung Kollár an die Hofkammer in Münz- und Bergwesen abgetreten. Endlich mußten 1843 1 AB. 446, S. 459ff. Vgl. Bd. I S. 581. Vgl. Bd. I S. 555, 556.

Next

/
Thumbnails
Contents