Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)
Die Urkundenabteilung von Paul Kletler
116 Die Urkimdenabteilung. heiten, Seelgerätstiftungen, Huldigungsurkunden (Krakau huldigt König Wladislaw Jagelló 3. Dez. 1387 und König Wladislaw III. 27. Febr. 1425), Bürgschafts- und Schuldbriefe für König und Reich, Geldverschreibungen und Zahlungsaufträge besonders an königliche Beamte und eine lange Reihe von Soldbriefen König Kasimirs aus den Jahren 1461—1467 (darunter auch einige für schlesische Empfänger, die jedoch bestimmt aus dem königlich polnischen Archiv stammen). Besonders wertvoll und interessant ist eine größere Anzahl von Urkunden, die die Verbreitung und Bedeutung des deutschen Rechtes in Polen sowie die zeitliche Dauer seines Einflusses erkennen lassen. Es sind B e- widmungen mit Magdeburger Recht (1330 Sandez; 28. Dez. 1363 und 28. Sept. 1379 König Kasimir, bzw. Königin Elisabeth transferiert dem Otto von Pilica in Anerkennung seiner Verdienste die Güter Sedlecz und Clymonthow von polnischem auf deutsches Recht; 25. Nov. 1387 deutsches Recht für eine „Schultisei“; 1. Mai 1389 Privileg für den Schulzen von Alt-Sandez, ein Dorf zu deutschem Recht auszutun; 24. Juli 1395 König Wladislaw bestätigt die Schultisei zu Blezicze zu deutschem Recht); dann Rechtshandlungen zu deutschem Recht (28. Febr. 1418 König Wladislaw bestätigt eine Urkunde Kasimirs vom 15. Febr. 1367 über Verleihung einer Schultisei und Verkauf eines Feldes zu magdeburgischem Recht); Gerichtssprüche von Gerichten deutschen Rechtes (2. März 1396 Landvogt und Schöppen des Obersten deutschen Gerichts im Schlosse Sandez über die Vogtei zu Sandez; 27. April 1402 und 14. Okt. 1406 der Lehensvogt und die sieben Schöppen des obersten königlichen Hofgerichts in Neu-Sandez über die Vogtei; 10. Jan. 1409 der Vizevogt des Land- oder Lehensgerichts der Schulzen und des königlichen Hofes zu Neu-Sandez über die Vogtei daselbst; 24. Jan. 1415 der Vizevogt und die sieben Schöppen des magdeburgischen Gerichts im Bezirke Sandez über die Vogtei; 23. Mai 1427 Vizevogt und Schöppen des königlichen Hofgerichts deutschen, magdeburgischen Rechts von Sandez über die Vogtei); V o g t ei - und Schultis eiurkunden (9.—15. Sept. 1306 Sandez; 1330 Sandez; 18. Okt. 1343 Lelów; 24. Juli 1395, 27. April 1402, 14. Okt. 1406, 10. Jan. 1409 und 24. Jan. 1415: s. oben); Siedlungsprivilegien (23. März 1409 für die Ansiedler 20 Freijahre); 19. März 1425 Treueschwur der alten und neuen Ratsherrn, der Schöppen und Geschworenen und der Gemeine der Stadt Lelów auf König Wladislaw. Auf Grund des Archivübereinkommens vom 26. Okt. 1932 mit der Republik Polen (Ratif. BGBl. 1932 Nr. 165) wurden im darauffolgenden Jahre alle 324 Urkunden des Repertoriums XXV an Polen ausgeliefert.1 Die Abgabe dieser Urkunden stellt ein über die Bestimmungen des Friedensvertrages hinausgehendes Zugeständnis dar. Denn nach Art. 195 des Staatsvertrages von Saint-Germain hätte über die Abgabe historischer Bestände erst ein Komitee von drei Juristen zu entscheiden gehabt. In den 1 Außerdem auch noch einige neuere, der Registratur der Staatskanzlei entstammende Urkunden des regierenden Senats der Freien Stadt Krakau, so die Urkunden betreffs die Grenzdemarkation vom 18. Aug. 1819 und 17. Dez. 1846.