Inventare Teil 5. Band 4. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1936)

Gesandtschaftsarchive von Josef Karl Mayr

Im folgenden sind — alphabetisch nach Sitzen — Geschichte und Be­stände des Archivs jeder Gesandtschaft verzeichnet. Der Rang der ein­zelnen Mission — Botschaft, Gesandtschaft, Generalkonsulat, Konsulat,1 Yizekonsulat, Agentie — ist nicht berücksichtigt, vielmehr der gemein­same Titel „Gesandtschaftsarchive“ gewählt worden, doch ist der Cha­rakter jeder Mission — im allgemeinen nach dem Stande von 1914 — im Texte vermerkt. Die vorliegende Zusammenstellung bezieht sich nicht nur auf jene Archivbestände, die heute im StA. liegen, sie bringt vielmehr in gegenteiligen Fällen nach Möglichkeit auch nähere Angaben über den gegenwärtigen Verwahrungsort solcher Archive. Ebenso ist, insoweit es möglich war, auf jene Gesandtschaftsarchivalien hingewiesen, die im StA. heute nur noch vermischt mit anderen Beständen vorhanden sind. Auch auf die Archive der Regensburger Reichstagsgesandten sowie der kaiser­lichen Gesandten bei den Reichskreisen ist nach Möglichkeit Bezug ge­nommen. Von der Verzeichnung der Archive von Friedensdelegationen und ähnlichen vorübergehend tätigen Missionen ist Abstand genommen worden. Desgleichen von der Aufzählung jener Gesandtschaftsarchive, deren gegenwärtige Verwahrungsorte nicht festgestellt werden konnten. Vollständigkeit war bei dieser Zusammenstellung nicht zu erreichen. Im 18. Jahrhundert und noch weit ins 19. hinein sind die der Staats­kanzlei übersendeten Gesandtschaftsarchive fast systematisch zur Auf­füllung der entsprechenden Aktengruppen der Staatskanzleiregistraturen verwendet worden. Zumal nach den großen Verlusten von 1809 war man in der alten Registratur der Staatskanzlei eifrig bemüht, die eingelieferten Gesandtschaftsarchive zur Schließung der damals entstandenen Lücken zu verwenden. „Alle diese (Gesandtschafts-) Akten“, so hat sich Franz Frei­herr von Lebzeltern damals geäußert, „bisher (in der alten Registratur) nur als relicta miscellanea aufgestellt, bildeten eine sehr bedeutende, äußerst verwirrte Masse von Papieren, welche die (Staats-) Kanzleiakten ergänzen, auch den Verlust von 1809 ersetzen können.“ Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts ist man von diesem alten Brauche allmählich abge­kommen. Klinkowström hat damals die eingelieferten Gesandtschafts­archive verwaltet und später Arneth der Einsendung solcher Bestände ein Hauptaugenmerk zugewendet und jede Gelegenheit benützt, um auf die Notwendigkeit hinzuweisen, zum mindesten alle politischen Gesandt­schaftsarchivalien zu vereinigen. In der Tat hat das Ministerium des Äußern damals und auch später wiederholt in diesem Sinne allgemeine 1 Wertvolle Angaben über Geschichte und Organisation des österr.-ungarischen Konsularwesens in Josef Malfattis bekanntem Handbuche.

Next

/
Thumbnails
Contents