Inventare Teil 5. Band 4. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1936)

Staatskanzlei (Ministerium des Äussern) von Josef Karl Mayr

436 Staatskanzlei (Ministerium des Äußern). Folgen derselben, Übernahme und Übergabe von Provinzen, Marquis Ghis- lieri.“ Es sind ferner keineswegs ausschließlich Staatskanzleiakten, die diese Abteilung ausmachen. So stammen z. B. die (ungebundenen) west­fälischen Friedensakten zum Teil aus der österreichischen Hofkanzlei, wo­selbst sie, wie es scheint, 1754 von Rosenthal auf gefunden worden sind. Die vier Supplementbände (Acta inedita) rühren von dem Exjesuiten Matthäus Rieberer her, der sie 1786/87 bei der österreichischen Gesandt­schaft in Regensburg ausgearbeitet hat. Ganz allgemein sind ferner die Archive (Nachlässe) der jeweiligen Unterhändler, Kommissäre, Delegierten usw. den betreffenden Staatskanzleiakten einverleibt worden, so daß fast keine Aktengruppe vorhanden ist, die ganz homogenen Charakters wäre. Zumeist sind diese Fremdkörper bei ihrer Ein- und Aufteilung völlig zer­rissen worden; selten nur haben sie sich einigermaßen kompakt erhalten. Aber auch Splitter aus entlegeneren Archivkörpern — so aus dem des Spanischen Rates, aus Gesandtschaftsarchiven (z. B. aus dem von Paris) —, ja sogar aus völlig fremden Archiven finden sich gelegentlich vor. So enthält z. B. die Aktengruppe des Ryswicker Friedens auch Original­dekrete des Gouverneurs der spanischen Niederlande an den Staatsrat, Konzepte des letzteren u. dgl. m. Diese ungewöhnliche Buntheit der Zu­sammensetzung, die Wochers trefflichem Verzeichnis (AB. 183) deutlich zu entnehmen ist, wird jeder Benützer stets sorgfältig zu beachten haben. Die Akten sind chronologisch geordnet, beginnen im wesentlichen mit dem Westfälischen Frieden und reichen bis 1807 (mit Nachträgen bis 1860). Eine knappe orientierende Übersicht ist in Wochers Verzeichnis (1. Band, Seite f), alles Nähere bei der Aufzählung der einzelnen Unter­abteilungen zu finden. 1809 sind gleich den übrigen Beständen der Staatskanzlei auch die Friedensakten den Franzosen zum großen Teil in die Hände gefallen und nach Paris transportiert worden. Reste nur sind damals teils in der alten Registratur der Staatskanzlei, teils im StA., wohin man sie geflüchtet hatte, zurückgeblieben. 1814—1816 sind die Pariser Bestände nach Wien zurück­gebracht worden, und zwar zum größten Teile wieder in die alte Registra­tur der Staatskanzlei, zum geringeren Teile und anscheinend nur vorüber­gehend ins StA. In der alten Registratur sind sie 1822 aus Johann Graf Pergens Nachlaß geringfügig bereichert worden. Ebendort ist auch wohl, insoferne dies nicht schon vor 1809 geschehen war, die Einverleibung fremder Archivkörper weiter fortgesetzt worden. 1829 sind die ersten Friedensakten, insgesamt etwa 26 Faszikel (Aktenbündel), aus der alten Registratur der Staatskanzlei1 ins StA. gelangt. 1849 und 1851 hat sie den Hauptteil an das StA. (Hauptarchiv und Filiale A) abgegeben, wo­selbst er von Wocher sorgfältig bearbeitet und in die zum Teil noch heute gültige Ordnung gebracht worden ist. In den Fünfzigerjahren sind aus dem Archive der politischen Sektion des Ministeriums des Äußern sowie aus Wenzel Zanettis italienischem Archive — auch aus dem Spanischen Rat (im engeren Sinne), den Vorträgen der spanisch-italienischen Zentral­1 Vgl. das 1842/43 von Lippa angelegte Verzeichnis in StK., Interiora 36.

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