Inventare Teil 5. Band 4. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1936)
Reichsarchive von Lothar Gross
Zeremonialakten — Schwäbische Kreisakten. 367 großen Umfanges als selbständige Abteilung fortbestehen. Ein Behelf besteht nicht. Inhaltsverzeichnis: Kreistagsprotokolle 1742, 1755—1764, 27 Bände. Schwäbische Kreisakten. Die Abteilung gehörte zweifellos bereits dem Archiv der Reichshofkanzlei in einer Gestalt und Zusammensetzung an, die ihrem heutigen Zustand sehr nahe kam. Das Verzeichnis der aus Paris (oben S. 281 f.) zurückgelangten Reichshofkanzleiakten führt die Abteilung schon unter dem gleichen Namen an und bemerkt ausdrücklich, daß es sich dabei bereits um eine von früher her zusammengehörige Aktenreihe handle. Die Schwäbischen Kreisakten wurden dann von Knecht! mit Unterstützung Rosners neu bearbeitet und repertorisiert, das Ergebnis dieser Arbeit liegt uns in dem fast zur Gänze von Knechtl geschriebenen Repertorium im AB. 106 vor. In diesem Repertorium erscheint die ganze Abteilung in zwei Teile geschieden, deren erster in eine Anzahl von Sachgruppen (wie Münzsachen, Baden, Fruchtausfuhr und Sperre, Militaria) zerfällt, die sich vollkommen mit jenen decken, die bereits im Pariser Verzeichnis erscheinen. Der zweite Teil, dessen Faszikel mit „Lit. H“ bezeichnet sind, ist nicht sachlich gruppiert und enthält die Berichte, bzw. Weisungen der beim schwäbischen Kreise akkreditierten kaiserlichen Gesandten in den verschiedensten Materien und sonstiges einschlägiges Material. Dieser Teil reicht im Gegensatz zum ersten viel weiter zurück — er beginnt mit 1546 — und entspricht den im Pariser Verzeichnis als erste Nummern der Abteilung (Nr. 967—982) unter Schwäbische Kreishandlungen und Schwäbische Kreisakten verzeich- neten Faszikeln. Überprüft man die Provenienz der Abteilung an der Hand des Repertoriums und der Akten selbst, so zeigt sich, daß sie keine einheitliche ist. Ein Hauptstock besteht aus dem Gesandtschafts archív beim schwäbischen Kreis, das übrige entstammt der Reichshof- k a n z 1 e i und auffallenderweise auch der Staatskanzlei. Das Repertorium Knechtls macht es zur Gewißheit, daß Staatskanzleiakten schon zu seiner Zeit einen beträchtlichen Teil der Abteilung, vor allem anderen der Gruppe Lit. H, bildeten, wir sehen also auch hier wieder dieselbe Vermischung der Provenienzen wie bei anderen Abteilungen, ohne den Zeitpunkt ihres Eintritts genau angeben zu können. Die Neuaufstellung der Abteilung erfolgte 1819 im sogenannten Wälschen Hause, von dort kam sie in die Filiale in der Löwelstraße und sodann in die Teinfaltstraße. 1850 erfolgte ihre Übersiedlung in die Filiale A ins Laurenzergebäude, deren weitere Schicksale sie dann teilte. Die Zuwächse der Abteilung waren keine bedeutenden. Einiges erhielt sie noch aus dem Archiv der Reichshofkanzlei, aus der sogenannten zweiten Abteilung der Reichsakten, etwas mehr dann 1851 aus der Staatskanzlei (AB. 168 — Fasz. 19, 73, 76). Viel beträchtlicher war der Verlust, den die Abteilung durch das von Matthias Nowotny durchgeführte Ausheben der Berichte und Weisungen erfuhr, wie die Einlageblätter im Repertorium (AB. 106) erweisen. Die Abteilungen der Berichte aus dem