J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

gelehnt und ihnen mit viel Geschick der sicherere und sparsamere Weg der geheimen, der Florentiner Postloge anvertrauten gemeinsamen Briefperlustrie- rung entgegengestellt worden. Acht Tage nach Metternichs geheimem Logen- vertrage hat Sardagna den Postvertrag mit Toskana unterzeichnet15 16). Er ließ das toskanische Postnetz unberührt und beschränkte sich im wesentlichen auf das verlockende Zugeständnis der Portofreiheit für alle das österreichische Staatsgebiet passierenden toskanischen Auslandkorrespondenzen. Ohne Rück­frage in Wien hat Metternich den Postvertrag schon nach vier Tagen ratifi­ziert. Aber trotz aller Zugeständnisse blieb in Florenz doch ein bitteres Ge­fühl der Unzufriedenheit und des Mißtrauens zurück. Immerhin war nun Toskana in die Lage versetzt, am 22. Oktober 1817 — also nur wenige Wochen nach dem österreichischen — einen Postvertrag mit Sardinien abzuschließen, der diesem den toskanischen Postverkehr mit Frankreich und England, selbst mit der Schweiz und mit Deutschland überant­wortete. Auch konnte Sardinien in geschlossenen, über Florenz instradierten Paketen mit dem Kirchenstaat und mit Neapel korrespondieren18). Ange­sichts dieser so eng geknüpften toskanisch-sardinischen Beziehungen waren alle gegenteiligen Bemühungen Metternichs erfolglos und nichtig seine Kritik des Vertrages, der Toskanas französische Korrespondenz in sardinische Fesseln schlug und ihm so unbegreifliche und so drückende Verbindlichkeiten auf­erlegte17). Nicht minder erfolglos blieben alle österreichischen Versuche, Toskana zur Abgabe der von Frankreich verlangten Erklärung zu bewegen, zumal es von diesem insgeheim in seinem Widerstande bestärkt wurde18). Rom hatte sich, wie wir uns erinnern, schon 1815 der österreichischen Bevormundung im Auslandbriefverkehr entzogen und sich im folgenden Jahre auch im Innern seiner Postsouveränität wieder bemächtigt. Wie Toskana stand auch die Kurie insgeheim auf Seiten Sardiniens und Frankreichs und schloß im Herbst 1817 einen Postvertrag mit Sardinien ab, der sich auch auf Frankreich, die Schweiz, England, die Niederlande und das linksrheinische Deutschland erstreckte. Wohl leugnete Consalvi dem österreichischen Bot­schafter gegenüber die Existenz eines Postvertrages dieser Art ab, allein die Abschriften, die sich dieser durch seine römischen Postagenten zu verschaffen wußte, ließen keinen Zweifel übrig, daß ein Postabkommen zwischen Rom und Turin seit dem Beginne des Jahres 1818 tatsächlich bestand19). Und ebensowenig wie Toskana wollte sich auch die Kurie zu jenen in Paris ab­zugebenden Erklärungen verstehen, die dem französisch-österreichischen Post­vertrage von 1817 entsprochen hätten. Geschickt verschanzte sich Consalvi hinter die Befürchtung, durch ein solches Verlangen Frankreich gewisser­maßen eine Verpflichtung aufzunötigen und die Freundschaft Sardiniens aufs Spiel zu setzen. Liliens römische Aspirationen von 1815 waren auch auf Neapel ab­gestellt gewesen, dem er eine freie Postpassage von und nach Österreich quer durch den Kirchenstaat eröffnen wollte. Dem stand aber der Anspruch ent­gegen, den Rom auf den Postverkehr mit Neapel „comme une propriété 15) 17 VIII i Urkunden (Bittner n. 1883). 16) Beilage zum Bericht aus Florenz 18 II 10 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 17) Weisung nach Florenz 18 I 10 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 18) Denkschrift Liliens 22 VI 20 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 19) Berichte aus Rom 18 IV 25, V 9 Rom 14. Mayr, Metternichs geheimer Briefdienst. 5 65

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