J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)
II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien
absolue“ erheben zu können glaubte. Auch konnte die Kurie den von Österreich begehrten Posttransit Florenz—Rom—Neapel nicht zugeben, wollte sie nicht damit auch Frankreich und Spanien zu ähnlichen Forderungen ermuntern. Daher wies Consalvi alle Vorschläge Liliens, der als Gegenleistung eine österreichische Jahresrente anbot, ab und erreichte es, daß die Transitfrage ungelöst blieb 20). Das hatte allerdings zunächst nicht viel zu bedeuten. Denn die österreichische, von Lilien eingerichtete Feldpost stellte mit Zustimmung Neapels die Postverbindung Mantua—Rom—Neapel auf militärischem Wege her und Consalvi mußte sich fügen. Zweimal wöchentlich besorgte ein österreichischer Feldpostkurier die Post der österreichischen Gesandtschaft, des österreichischen Feldpostamtes und — in geschlossenen Postpaketen — die des staatlichen Postamtes in Neapel. Alles war darauf angelegt, das Vertrauen der neapolitanischen Regierung zu gewinnen, die Feldpostverbindung allmählich ihres militärischen Charakters zu entkleiden und unvermerkt in einen normalen Postkurs überzuleiten. Als die österreichischen Truppen im Herbst 1817 das Land räumten, blieb die Postverbindung dennoch aufrecht. Je weniger man an sie rührte, um so sicherer glaubte man sie für alle Zukunft beibehalten zu können. Schon ließ Metternich im Dezember 1817 Neapel zum Abschlüsse einer Postkonvention auffordern, die den über Rom und Genua laufenden Postverkehr mit Sardinien, Frankreich, England und den Niederlanden dem österreichischen Postkurier zusprach21). Aber wie Consalvi im Herbst 1815, so begann nun auch Marchese Cir- cello, der neapolitanische Außenminister, vor der Enge der österreichischen Umarmung zurückzuschrecken. Erst verlangte er volle Parität für die neapolitanischen Postkuriere, dann stieß er sich an der Umleitung über Mantua und erlag schließlich den Einflüsterungen des sardinischen Gesandten 22). Metternich mußte seine Pläne fallen lassen und mit 1. Mai 1818 auch die direkte Postverbindung aufgeben. Ein Postvertrag mit Neapel ist auch später nicht mehr zustande gekommen. Die Feldpostverbindung aber wurde mit dem neuerlichen Einmärsche der kaiserlichen Truppen in das Königreich Neapel im Dezember 1820 wiederum eingerichtet und bis ins Jahr 1827 hinein unterhalten. Insgeheim führte sie der Mailänder Postloge die neapolitanische und römische Auslandpost zur Durchforschung zu23). Da sie auch die österreichischen Missionen und Generalkonsulate in Italien bediente, machte sich nach der Einstellung derselben der Mangel eines periodischen Postkuriers zwischen Florenz und Neapel neuerdings fühlbar. Schließlich wurde der österreichischen Gesandtschaft in Florenz ein Unteroffizier zugeteilt, der eine vierzehntägige Postverbindung mit Neapel unterhielt. Er trug zivile Kleidung und wurde als außerordentlicher Gesandtschaftskurier ausgegeben. Zur selben Zeit, da Österreich sein Postsystem bis nach Rom, Toskana und Neapel auszudehnen suchte, unternahm es einen ähnlichen Schritt auch nach der pyrenäischen Halbinsel. Der Plan ging dahin, sich Frankreichs Schwierigkeiten zunutze zu machen, ihm den spanisch -österreichischen 20) Lilien über die röm. Posten 16 V Rom 10. 21) Weisung nach Neapel 17 XII 1 Neapel 77. 22) Bericht aus Neapel 18 II 5 Neapel 77. 23) E. Effenberger 1. c. 137f.; Zahl 4310/1821 Staatsarch. d. Inn. u. d. Justiz (Polizeiarchiv). 66