J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - B. Der Postkrieg gegen Bayern

Älter noch als die Postverbindung Mailand—Zürich war die 1774 von Maria Theresia bestätigte Postlinie Mailand—Lindau, die die Gesellschaft der Spehler und Weiß von Fussach im Vorarlbergischen, die sogenannten Fussacher Boten, von Graubünden in Pacht hatte und über Feldkirch, Chur, den Splügenpaß und Chiavenna unterhielt9). Schon 1814 hatte Lilien die Wich­tigkeit dieser Postlinie erkannt und deren Erwerbung vorgeschlagen. Diesel­ben Beweggründe waren 1S16 für Peter maßgebend: die Lindauer Handels- korrespondenz sollte unterbunden und zwischen Vorarlberg und der Lom­bardei eine unmittelbare österreichische Postlinie geschaffen werden. Doch gelang es der Fiofkammer nicht, die Fussacher Boten aus der Graubündner Postpacht zu verdrängen. Und als sie 1817 den Versuch wiederholte und die Splügenlinie aufhob, da antwortete Graubünden mit einer neuen, selbständigen Postverbindung von Chur über den S. Bernadin nach Bellinzona, Lugano und Como und verstand es, die Mailänder Postverwaltung dafür zu gewinnen. Auch fand es die Unterstützung der Staatskanzlei, die dem neuen, viel näher an Sardinien herangerückten Postkurs mißtraute und die Retablierung der Fussacher Boten durchsetzte10). Eine selbständige österreichische Postverbin­dung, wie Lilien sie anstrebte, ist nicht zustande gekommen. Als Peter im Februar 1820 in Chur den ersten Postvertrag mit Graubünden abschloß11), sah er sich genötigt, die alte Postlinie der Fussacher Boten über den von Öster­reich ausgebauten Splügenpaß nach Chiavenna zu bestätigen und die von Graubünden über die von Sardinien subventionierte S. Bernardinstraße nach Bellinzona unterhaltene Postverbindung anzuerkennen12 13). Es mußte genügen, Graubünden, die „Freistätte aller Staatsgeächteten“, so enge mit der Lom­bardei zu verknüpfen, daß Sardinien darüber ins FFintertreffen geriet. Durch den Postvertrag mit Zürich vom Juni 1S16 ist der Korrespondenz­verkehr mit Baden, der bisher durch Bayern vermittelt worden war1S), über Zürich geleitet worden. Man hatte sich dabei weder der Zustimmung Badens noch der Bayerns versichert, und auch der Postvertrag, den Lilien am 23. März 1817 mit Baden abschloß14), kam mehr einem Oktroi denn einer Konvention gleich. Die Verbindung mit Vorarlberg und Italien wurde Zürich, der Post­kurs Heidelberg—Eger Thurn und Taxis überantwortet. Der Vertrag ist jedoch nicht ratifiziert worden. Noch war Bayern stark genug, Baden davon abzuhalten. Der Thurn und Taxissche Postkurs ist dadurch vereitelt, der Züricher aber trotz aller badischen Gegenvorstellungen ins Werk gesetzt wor­den, nur trat für die Frankfurter Korrespondenz im November 1818 Schaff­hausen an Zürichs Stelle. Ebenso wie mit Baden hielt es österreidi auch mit Württemberg15): die bisher Bayern durchquerende Postverbindung wurde ohne Rücksprache mit Württemberg Zürich, die Frankfurter Korre­spondenz später Schaffhausen anvertraut. Zu einem Postvertrage mit öster­0) Konferenzprot. (Anm. 13 S. 6z); J. Lenggenhager, Verkehrsgesch. Grau- bündens 167. 10) Note an Hofkammer 18 II 15 Finanzarchiv 732/FM aus 1818; J. Lenggen­hag e r 1. c. 317 ff.; J. D o m e n i g 1. c. 32 f. 41) 20 II 8 Urkunden (Bittner n. 2109); J. Lenggenhager 1. c. 32 ff.; J. Do­menig 1. c. 35 ff. 12) W. O e c h s 1 i, Gesdh. d. Schweiz 2, 755 ff.; R. Domenig, Kommerzialstraßen in Graubünden 43 ff. 13) K. Löffler, Gesch. d. Postw. in Baden 319 ff. 14) Urkunden (Bittner n. 1841). 15) Fr. Haass, Beitr. z. Gesch. d. altwürttemberg. Verkehrswesens bis 1819. 54

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