J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - B. Der Postkrieg gegen Bayern

Zukunft auslieferte und ihm zugleich seinen italienischen Postkurs dauernd sicherte. Letzteren mußte man österreichischerseits bis auf weiteres noch an­erkennen, die übrigen Anschläge aber vermochte man abzuwehren3). Bald darauf aber wurde mit der Herstellung unmittelbarer Postverbin­dungen mit der Nordostschweiz begonnen, wodurch diese zu einem Stütz­punkte der Postpolitik des Kaiserstaates ausgebaut und damit der Trotz der bayrischen Postdirektion gebrodien werden sollte. Die Wiedererwerbung Tirols und Salzburgs ermöglichte eine direkte Verbindung über Vorarlberg und eine unmittelbare Auswechslung der bisher über Bayern laufenden Kor­respondenzen. Auch ließen sich von der Schweiz aus direkte Instradierungs- linien nach Südwestdeutschland und Frankreich eröffnen. Nun gab es zwar damals in der Schweiz noch kein einheitliches Postsystem, an das man hätte anknüpfen können. Seiner Lage nach und als Vorort, zum Teil auch als Postpächter der nordöstlichen Schweizer Kantone konnte aber doch nur Zürich als Unterhändler in Betracht kommen. Der erste Anknüpfungsversuch wurde Peter übertragen, der dabei „jedes Ansehen einer Gehässigkeit“ gegen Bayern sorgfältig zu vermeiden hatte. Gleich Basel, woselbst sich einstmals ein vorderösterreichisches Postamt be­funden hatte, sollte auch Zürich eine österreichische Briefexpedition erhalten und Postknotenpunkt für Süd- und Mitteldeutschland, Frankreich und Eng­land werden. Sein Postnetz hatte es selbst auszubauen, vor Bayern aber alles aufs sorgfältigste geheim zu halten4). Ebenso geheimnisvoll ging der Straßen­bau über den Arlberg vor sich. Der Postvertrag aber, den Peter im April 1816 in Zürich abschloß5 *), entsprach jenen Erwartungen nur unvollkommen. Weder für Basel noch für Zürich vermochte Peter die Einrichtung österreichi­scher Postämter durchzusetzen und den Korrespondenzverkehr überließ er, statt ihn unmittelbar zu knüpfen, ganz der Züricher Postoffiz. Das wider­sprach so sehr den von Lilien aufgestellten Grundsätzen, daß Peter abberufen und der Züricher Generalpostdirektor Hirzel zu neuen Verhandlungen nach Wien geladen wurdeG). Dort hat Lilien am 22. Juni 1816 einen neuen Postvertrag mit Zürich und St. Gallen abgeschlossen7), dem auch Luzern, Aarau und Basel beigetreten sind, während ihn das bayernfreundliche Schaffhausen unratifiziert ließ. Mit diesem über ein Menschenalter lang wirksamen Postvertrag hat Lilien unmit­telbare Postverbindungen mit der Schweiz und weit darüber hinaus mit Frank­reich und Spanien, mit den Niederlanden und mit England, mit Baden, Württemberg und dem Thurn und Taxisschen Postgebiete hergestellt. Als Peter 1818 aufs neue in die Schweiz kam, hat sich auch Schaffhausen dem österreichischen Postsystem eingefügt. Der Postvertrag, den Peter am 25. November 1818 in Schaffhausen abschloß8), löste den Kanton vom Post­transite durch Bayern los und überwies ihm den über Bregenz und von Mailand her laufenden österreichischen Postverkehr mit Frankfurt. °) Note an Hofkammer 14 X 12 Finanzarchiv 75/FM aus 1814; Konferenzprotokoll Mercy-Lilien 16 II 15 Notenwechsel ad Hofkammer 143 b. 4) Instruktion für Peter 15 X 24 Notenwechsel 43. 5) 16 IV 12 Urkunden (Bittner n. 1789). e) Gutachten Liliens 16 III 18 Schweiz, Nachträge. 7) L. Neumann, Recueil 3, 149; J. Domenig, Graubündner Kantonalpost 37ff.; E. R u d, Postwesen in Zürich. 8) Urkunden (Bittner n. 2058). 53

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