J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)
II. Die Postkurse - B. Der Postkrieg gegen Bayern
sächsischen Herzogtümer Treitlinger Postkundschafterdienste für Österreich °). Sechs Jahre vorher hatte der französische Exminister Herzog Decazes Lilien seine geheimen Dienste angeboten5 6). Auch der französische Generalpostdirektor Marquis Vaulchier stand mit ihm in vertraulichen Beziehungen. Nodi weiter ging Maupertuis, der französische Konsul in Mailand, der mit dem Statthalter und dem Kommandierenden General der Lombardei in Verbindung stand, von ihnen Weisungen empfing und ihnen Einblick in seine Amtskorrespondenz gewährte7). Auch für Sardinien und die Schweiz lassen sich Spuren ähnlicher Beziehungen nachweisen. Fäden solcher Art hätte der sardi- nische Gesandte Sambuy — wenn er ihnen nicht grundsätzlich aus dem Wege gegangen wäre — zur österreichischen Hofkammer hinüberspinnen können, sofern er nur mit Ordensauszeichnungen und Geldmitteln kräftig genug nachhalf8). B. Der Postkrieg gegen Bayern. Als Metternich die Leitung der österreichischen Außenpolitik übernahm, lag der Postbereich des Kaiserstaates weit hinter dem des 18. Jahrhunderts zurück. Das hing nicht zuletzt mit dem Übergewichte des Rheinbundstaates Bayern zusammen. Der Münchner Postvertrag des Jahres 1808, der — recht zur Unzeit — unter französischem Drucke hatte abgeschlossen werden müssen 7), brachte Bayern in den Besitz aller österreichischen Korrespondenzzweige nach Südwestdeutschland und dem angrenzenden Auslande und in den Bezug ansehnlicher Posteinkünfte. Dieses einer Großmacht unwürdige Subalternverhältnis, das sich auch auf die Korrespondenzverbindung zwischen Österreich und Frankreich erstreckte — sie lief seit 1722 durch Bayern —, wurde durch den Mailänder Postvertrag zwischen Bayern und dem Königreiche Italien von 1809, der den alten Thurn und Taxisschen Reichspostweg quer durch Tirol dem bayrischen Widersacher in die Hände spielte, noch weiter vertieft2). Solange Napoleons Herrschaft dauerte, konnte an eine Verbesserung dieser nachteiligen Postverhältnisse nicht gedacht werden; andere Aufgaben beherrschten das Feld. Schon wenige Monate nach der Leipziger Schlacht aber legte die Hofkammer den Finger auf den drückenden Postvertrag des Jahres 1808. Sie dachte dabei entweder an die Kündigung desselben oder an eine Umgehung des bayrischen Postbereiches. Letztere faßte im Oktober 1814 auch Lilien ins Auge. Zunächst mußte jedoch dieses Befreiungswerk noch aufgeschoben werden. Denn Bayern begann — wohl in der Absicht, den Entscheidungen des Wiener Kongresses zuvorzukommen — neue, politisch überaus gefährliche Forderungen an Österreich zu stellen. Es verlangte nicht weniger als eine Generalpostkonvention, die ihm alle österreichischen Postverbindungen mit der Schweiz, mit Frankreich, mit Südwest- und Nordwestdeutschland, mit Niedersachsen und den Hansestädten, mit Holland und England für alle 5) Bericht aus Paris 30 II 23 Frankreich 390. 6) Bericht aus Paris 24 XII 22 Notenwechsel ad Hofkammer 143 b. 7) Vortrag 25 XI 19 Vorträge 360. 8) M. Alberti 1. c. 3, 332 ff. b Note von Hofkammer 08 XI 10 Notenwechsel 29. 2) Notiz Liliens 16 I 21 Bayern, Varia 16. J2