J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - A. Allgemeine Voraussetzungen:

knoten der Innenbindung mit Vignetten der korrespondierenden Postämter versehen, deren Zeichnung geheime, periodisch wechselnde Merkmale aufwies: so wurde z. B. Frankfurt bald mit k, bald mit c, das u in Hamburg bald mit o, bald ohne o geschrieben und dergleichen Varianten mehr5). Ein Jahr später tauchen die ledernen Postbeutel im Postvertrag mit Graubünden auf und waren 1824 auch für den Bologneser Transit Mantua—Florenz in Aus­sicht genommen. Mit dem ersten französisch-österreichischen Postvertrage von 1817 wurde auch die Anbringung von Herkunftsstempeln (etwa ATF = Angleterre, tran­sit franfais) eingeführt, die die Postmanipulation erleichterten, sicherlich aber auch zugleich den Postlogisten zustatten gekommen sind. Seit 1819 erhielten auch die sardinischen Überseekorrespondenzen solche Stempel, ebenso 1834 die griechischen Poststücke und 1840 die neapolitanischen Korrespondenzen (etwa TPA = transito pell’Austria). 5. Postspionage. Die Postverträge, die Metternich mit dem Auslande abschloß, hingen nicht zuletzt von der Güte des Nachrichtenmaterials ab, das ihm dabei zur Verfügung stand. Je tiefer er in die Ziele und Absichten der ausländischen Postverwaltungen eindrang, um so besser konnte er seine Maßnahmen darnach einrichten. Das ging, wie die Dinge lagen, nicht ohne geldliche Aufwendungen ab. Schon 1817 zog Sardagna einen toskanischen Postbeamten in sein Inter­esse, der ihm wertvolle Angaben über das Postwesen seines Landes lieferte* 1). 1823 wurde in Florenz unter reichlichem Aufwande von Geldmitteln ein regelmäßiger Nachrichtendienst eingerichtet, dem Österreich die Kenntnis der toskanischen Postverträge und wertvolle Aufschlüsse über die toskanischen Auslandpostkurse verdankte2). 1825 wendete die österreichische Gesandt­schaft in Florenz 120 Taler dafür auf. Pistoj hat sich durch diesen Nach­richtendienst die Wertschätzung der österreichischen Regierung und zahlreiche außerordentliche Gratifikationen erworben. Auch in Rom bestanden geheime Beziehungen zur Postverwaltung, die u. a. von jenen Postbeamten — Zattera und Clairaux — vermittelt wurden, die die römische Postverwaltung — vielleicht aus ähnlichen Beweggründen — von dem ehemaligen kaiserlichen Postamte übernommen hatte3). Ihnen hatte Lilien die Kenntnis des von dem Kardinalstaatssekretär Consalvi hartnäckig abgeleugneten Postvertrages mit Sardinien (S. 65 f.) zu verdanken. Eine weitere, sehr wertvolle Verbindung hat Josef Berger 1821 hergestellt. Durch wohlangebrachte Vertraulichkeit erwarb er sich während seines römischen Aufenthaltes die Gunst der päpstlichen Postbeamten und gewann den einfluß­reichen Menini, den Vorsteher der römischen Postbuchhaltung, für die öster­reichischen Interessen. Auch der Registrator dieses Büros stand in österreichi­schen Diensten4). In Paris besorgte um 1830 der Ministerresident der 5) Noten an und von Thurn und Taxis 18 XII 23, 19 III 1 Kleinere Betreffe 10. 1) Bericht Sardagnas 17 IV $ Toskana, adm. Reg. Postwesen. 2) Bericht aus Florenz 23 XII 20 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 3) Bericht aus Rom 18 II 7 Rom 14. 4) Bericht aus Rom 21 IX 17 Rom (adm.) 2; Note an Hofkammer 23 VI 3 Noten­wechsel 28. 4 SI

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