J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - A. Allgemeine Voraussetzungen:

früheren Bereiche auch sein vorwiegend politisches Gepräge, und jüngere Kräfte begannen sich durchzusetzen. In den letzten zehn Jahren seines Lebens hat sich der vielseitige, nimmermüde Mann — der Vormund des Historikers Karl Friedrich Stumpf — den Aufgaben des Taubstummenunterrichtes zuge­wendet, bis ihn hart an der Schwelle des 70. Lebensjahres im Oktober 1846 auf der Durchreise durch Brixen der Tod hinwegraffte. Neben Lilien sind der Beamte der Hofpostbuchhaltung Josef Peter, der Hofrat der Staatskanzlei Franz Freiherr von Sardagna und der Beamte des Obersthofpostamtes Anton Turneretscher als dessen vorzüglichste Mitarbeiter zu nennen. In den Vierzigerjahren traten — je mehr die Postverträge ihren politischen Charakter einbüßten — der Hofrat der Hofkammer Freiherr von Nell und der Rat des Obersthofpostamtes Anton Langer an deren Stelle. Peter war ein ausgezeichneter Organisator und hatte die von Lilien abge­schlossenen Postverträge im einzelnen auszuarbeiten und durchzuführen. Wiederholt hat er zu diesen Zwecken die Schweiz, Toskana, Bayern und das Postgebiet der Thurn und Taxis bereist. Auch verstand er sich, wie sein ein­gangs erwähntes Gutachten von 1823 zeigt, trefflich auf die Organisation der Postlogen. Die Post- und Straßenkarten, die Peter mit seltener Genauigkeit zu entwerfen wußte, sind wiederholt in Druck gelegt worden. Zuweilen ist er auch unmittelbar als Unterhändler von Postverträgen verwendet worden. Sardagna war 1816 als diplomatischer Korrespondent dem Gouver­neur von Mailand beigegeben worden8), woselbst —der exponierten Lage der Provinz entsprechend — der Posten eines „direttore dei confini“ schon früher üblich gewesen war. Als Delegierter der Staatskanzlei vollzog Sardagna auf diesem Außenposten die unmittelbaren Aufträge derselben, führte die Kor­respondenz des Gouverneurs mit den auswärtigen Regierungen und deren Konsuln sowie mit den österreichischen Gesandten im italienischen Auslande und war daneben auch mit der politischen Zensur und der auswärtigen Staats­polizei im weitesten Umfange betraut9). Das Netz der geheimen Informa­tionen, das der Statthalter der Lombardei Graf Saurau über die ganze Halb­insel, selbst bis nach Frankreich hinein ausspannte (S. 27), wurde von Sardagna ebenso geschickt bedient wie das verwandte System der italienischen Postlogen. Von Mailand aus ist er auch zum Abschlüsse von Postverträgen mit den italienischen Staaten und mit Frankreich sowie zu wiederholten Bereisungen Italiens und der Schweiz verwendet worden. Er löste diese Aufgaben meist ebenso geschickt wie die übrigen ihm obliegenden Geschäfte sehr heikler Natur. Turneretscher — die Seele des österreichischen Postwesens und Meister in der Ausbreitung seines Postmonopols, ein entschlossener, halsstarriger Charakter, wie ihn der sardinische Gesandte geschildert hat10) — hatte sich lange als Postlogist betätigt (S. 14), ehe er zu Beginn der Dreißigerjahre unter Liliens unmittelbare Mitarbeiter einrückte. Die Schweizer Postverträge von 1832 sind von Turneretscher abgeschlossen worden. Zwei Jahre später Unter­zeichnete er in Nauplia den ersten Postvertrag mit Griechenland. 1839 brachte Turneretscher von seiner Italienreise vier Postverträge mit sich heim. Zugleich hatte er die toskanischen Postlogen in besseren Gang gebracht. An den Post­verträgen der Vierzigerjahre mit Frankreich, Sardinien und der Schweiz hat 8) Vortrag 16 I 10 Vorträge 296. 9) Vortrag 23 II 28 Vorträge 343. 10) M. Alberti 1. c. 3, 332 ff. 47

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