J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - A. Allgemeine Voraussetzungen:

nicht voneinander unterschieden, daß sie sich nicht alle unter diesem Gesichts­punkte zusammenfassen ließen. An jedem dieser Frontabschnitte schreitet die Darstellung von den Haupt- zu den Nebenkriegsschauplätzen vor und breitet so das ganze österreichische Auslandpostnetz der Zeit in seinen wichtigsten Grundzügen aus. Zwei Schluß­kapitel sind dem deutschen Postverein sowie der englisch-ostindischen Post und der Entwicklung der Eisenbahnen gewidmet, während die allgemeinen Voraussetzungen des zweiten Teiles in einem einleitenden Kapitel zusammen­gefaßt sind. A. Allgemeine Voraussetzungen, i. Die politischen Zwecke. Klar und deutlich hat Metternich in seinen dem Kaiser erstatteten Vor­trägen darauf hingewiesen, daß bei dem neuen, nach der Wiederherstellung der Monarchie eingerichteten Postsystem die Hauptabsicht auf die politischen Zwecke gelegt worden sei: für einen Staat im Zentralpunkte Europas war es von größter Wichtigkeit, nicht nur seine Korrespondenz der Kontrolle der Nachbarn zu entziehen, sondern auch seine Korrespondenzaufsicht möglichst auszudehnen1). Selbst die Hofkammer war nicht gesinnt, „eines finanziellen Vorteils wegen höhere Zwecke zu opfern“. „Tributarkonventionen“ hat sie abgelehnt. In weitem Maße haben diese politischen Zwecke — so sehr sie naturgemäß stets auch mit staatsfinanziellen Momenten verquickt gewesen sind — das Feld der Auslandpostkurse beherrscht. Namentlich in Italien, wo mit dem neuen, von Metternich aufgerichteten politischen System die Zu­sammenfassung der italienischen Auslandkorrespondenzen in österreichischen Postlogen aufs engste zusammenhing: wenn Österreich den gesamten italieni­schen Auslandpostverkehr überwachte, dann sicherte es damit die Ruhe des Landes. Selbst die Revolution von 1821 hätte sich verhindern lassen — so beurteilte Baron Daiser, der österreichische Legationsrat in Turin, die Lage —, wenn Österreich die italienisch-französische Korrespondenz in Händen ge­habt hätte2). Politische Gründe sprachen für den Fortbestand des altvenezia­nischen Postamtes in Rom, politische Momente, die sich nicht offenbaren ließen, beherrschten die Postkurse zwisdien Frankreich und Fremditalien3), politische Nachteile waren zu befürchten, wenn Bayern die nordwestlichen Korrespondenzzweige des Kaiserstaates kontrollierte. Nichts war für die ge­heimen politischen Zwecke dieser Art verhängnisvoller als hitzige postalische Fehden, die die Aufmerksamkeit des Gegners erregten, und nichts empfahl sich andererseits mehr, als die politischen Gesichtspunkte durch die betonte Hervorhebung der administrativen Grundnatur des Postinstituts zu mas­kieren. Gerne wird Österreich Opfer bringen — so hat sich der "Wiener sardinische Gesandte im Juni 1840 ausgesprochen —, wenn es damit den Transit der Ausländsbriefe erreichen kann, denn es will sie lesen4). 4) Vortrag 24 III 8 Vorträge 350. 2) Bericht aus Turin 23 I 30 Sardinien, adm. Reg. 3. 3) Unter „Fremditalien“ wird hier und später jener Teil Italiens verstanden, der weder unter sardinischer noch unter österreichischer Herrschaft stand. 4) M. Alberti L c. 2, 287. 44

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