J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse

reidis zahlreiche private gehende und fahrende Briefboten, die das ärarische Postporto unterboten. Besonders raffinierter Briefverstecke hat man sich auf dem Wiener Kongresse bedient8). Das Hilfsmittel der Briefschwärzung hat auch der Frankfurter Postrat Heller (S. io) angewendet. Wie wenig in diesen Dingen den Postbeamten diesseits und jenseits der österreichischen Grenzen zu trauen war, das lehren die Postverträge der Metternichzeit; ob sie mit Frankreich, Sardinien oder Toskana abgeschlossen wurden, immer lenkte ein besonderer Vertragspunkt die Aufmerksamkeit auf die Postbeamten, die der Briefschwärzung verdächtig waren. Der österreichische Postwagenakzessist Franz Raffelsberger, der Herausgeber des ersten österreichischen Posthand­buches für Reisende, betrieb vermittelst portofreier Privat- und Amtskor­respondenzen einen blühenden, weithin ausgedehnten Waren- und Brief­schmuggel 3 4). Ähnlich betätigten sich der Mantuaner Postinspektor Fornaroli und der Florentiner Postbeamte Matteozzi. Der Braunauer Postillon verfügte zu ähnlichen Zwecken über einen doppelten Boden in seinem Briefpostwagen 5). Nicht besser stand es mit jenen Kurieren und Unteroffizieren, die den Brief- posten zur Begleitung beigegeben waren. Die österreichischen, zwischen Mai­land und Florenz verkehrenden Postkuriere waren den Behörden als Brief­schwärzer ebenso verdächtig wie dem Publikum willkommen. Einer besonders strengen Aufsicht unterlagen in dieser Hinsicht die diplomatischen Kuriere der Staatskanzlei. Dennoch haben sich auch diese — mit Geheimfächern gleich den Postillonen versehen — mit Briefschwärzungen befaßt6). Besonders beliebte Schlupfwinkel waren die portofreien Amtspakete der Grundherrschaften, der Militärbehörden und der zahllosen politischen und kameralen Staatsämter. Täglich entgingen darin nach Peters Schätzung Hunderte von Briefen der gebildeten Stände den Postlogen7). Von Jänner bis Ende November 1811 sind in Wien allein 1934 Fälle von Briefschwärzungen festgestellt worden. II. Die Postkurse. Dem Querschnitte durch das Gefüge der österreichischen Auslandpost­logen folgt nun die Darstellung jener Kämpfe, die an der österreichischen Post­front über dem Versuche entbrannt sind, fremde wie eigene Auslandpostkurse in den Dienst der österreichischen Auslandpostlogen zu stellen. Wobei es sidi — dem Zusammenhänge entsprechend, der zwischen Postlogen und Post­kursen bestand —, wie schon erwähnt, im besonderen darum handelte, die zwischen dem Kaiserstaate und dem Auslande geführten Postkurse mit Vor­bedacht so zu legen, daß sie imstande waren, den österreichischen Postlogen ein möglichst reichhaltiges und weither geholtes Auslandbriefmaterial zuzu­führen, den fremden Postlogen aber die eigene Auslandkorrespondenz mög­lichst zu entziehen. Das war nun freilich nicht bei allen Auslandpostkursen in gleichem Maße der Fall, so sehr aber haben sie sich andererseits darin doch 3) A. Fournier, Geheimpolizei 368. 4) Note des Finanzministers 27 III 3 Finanzarchiv 7332/FM aus 1826; österr. Nationalencyklop. 4, 336. °) Note von Hofkammer 30 II 17 Notenwechsel 69. 6) Strassoldo an Erzh. Rainer 26 III 2 Finanzarchiv 1507/FM aus 1826. 7) Ideen (Anm. 3 S. 4). 43

Next

/
Thumbnails
Contents