J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - F. Die englisch-ostindische Post und die Entwicklung der Eisenbahnen

dabei auch inzwischen noch — vom Piräus an — die Mithilfe französischer Dampfer in Anspruch, während sich diese zwei weitere Kriegsdampfer an­schaffte. Zugleich suchten Hofkammer und Hofkanzlei indische Handels­häuser für Triest zu interessieren und durch den „Bombay Courier“ dem indischen Publikum den Postweg über Österreich nahelegen zu lassen13). Wie rasch sich der österreichische Lloyd binnen weniger Jahre entwickelt hatte, das zeigte die neue Fahrtordnung, mit der er im Sommer 1845 vor die Öffentlichkeit trat. Nun war Triest einmal wöchentlich mit Griechenland und Konstantinopel und von diesem aus mit Varna, Galatz und Braila so­wie mit Smyrna, zweimal monatlich mit Alexandrien, Syrien und Trapezunt verbunden. Wohl übertraf damit der Lloyd das französische Dampfernetz an Ausdehnung, stand aber andererseits doch noch immer hinter der monat­lich dreimaligen Dampferlinie Marseille—Alexandrien zurück. Schon plante aber die neue französische Dampfschiffunternehmung Rostand eine wöchent­liche Linie und bewog dadurch den österreichischen Lloyd zu verdoppelten Anstrengungen14). Das lag auch ganz im Sinne des englischen Publikums, das sich immer mehr der Bedeutung der Suezpassage und damit der Frage bewußt wurde, in wessen Händen das Zwischenglied dieser großen Verbin­dungskette liegen werde15). Schon hatte sich auch inzwischen Waghorn als Privatreisender von London über Triest nach Alexandrien begeben, und während er dort noch an dem Projekte einer Eisenbahn zwischen Kairo und Suez arbeitete, trug er sich schon mit weiteren Plänen bezüglich der Post­verbindung London—Triest. Dem konnten sich auch Lloyd und Hofkammer nicht widersetzen, suchten aber doch der Gefahr der Ausbreitung einer eng­lischen Ostindienlinie Triest—Alexandrien durch den Vorschlag zu begegnen, ihr nur den Postdienst, keineswegs aber den Personen- und Gütertransport zu gestatten. Im Oktober 1845 hat Waghorn auf der Heimkehr von Alexandrien Österreich, Deutschland und Belgien neuerdings durchquert. Diesmal führte er auch Briefe aus Bombay vom 1. Oktober mit sich und schlug von Innsbruck die Route über Füssen und Mannheim, Köln, Aachen und Ostende ein. Die Hofkammer ließ alle österreichischen Poststationen verständigen, bereitete die erforderlichen Offenen Ordres vor, beseitigte alle Kontumazhindernisse und begnügte sich mit der Nachzahlung der Postgebühren. Der Lloyd tat ein übriges und schickte Waghorn einen Wegbereiter voraus16). Die Kölner Dampfschiffgesellschaft hielt ihr schnellstes Boot bereit und auch Belgien war so sehr bei der Sache, daß es alle Kosten der Probereise von der preußi­schen Grenze an bezahlen und überdies nichts unversucht lassen wollte, um alle Länder zwischen Triest und Ostende durch einen Postvertrag zusammen­zufassen. Ganz Deutschland wartete mit Spannung auf das Gelingen dieses nationalen Unternehmens17). Es war in der Tat von dem glänzendsten Er­folge begleitet. Kaum hatte Waghorn an Bord des Lloyddampfers „Impera­tore“ in 6% Tagen Mittelmeer und Adria durchquert, als ihn schon in Triest die österreichischen Postillone in Empfang nahmen und im Verein mit den 13) Note von Hofkammer 46 XI 16 Notenwechsel 99. 14) Note von Hofkammer 45 V 4, an Hofkammer 46 IX 7 Notenwechsel 98, 52. 15) Bericht aus London 44 V 4 England 319. 16) Noten von Hofkammer 45 V 31, VII 29 Notenwechsel 98. 17) Bericht aus Frankfurt 45 IX 11 Frankfurt 85; Bericht aus Brüssel 45 IX 27 Belgien 14.

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