J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - F. Die englisch-ostindische Post und die Entwicklung der Eisenbahnen

an sichern, in dem er ihn ohne fremde Hilfe zu organisieren vermochte5). Daß der österreichische Lloyd Dampfschiffe baute, war damals England nicht unwillkommen, das im Falle eines Krieges mit Frankreich auf zehn bis zwölf auch als Kriegsschiffe verwendbare Lloyddampfer zählen zu können hoffte6). Metternich hat in der geplanten Umgehung Marseilles ein politisches Bedürfnis erster Größe erblickt; Österreich und Deutschland England als Verbindungsglieder mit Ostindien anzubieten, hatte für ihn den Wert eines politischen Bandes. Auch Mehemed Ali, der Statthalter von Ägypten, teilte diesen Standpunkt7). So fand sich Metternich zu jeder Unterstützung bereit, als die englisch­ostindische Compagnie im Herbst 1842 daranging, die deutsch-öster­reichische Posttransitstrecke durch den englischen Leutnant Thomas Waghorn probeweise befahren zu lassen. Ein englischer Regierungs­dampfer brachte ihn — so war der Plan — in 14 Stunden von London nach Ostende, von dort eine Extralokomotive in 6 Stunden nach Lüttich, in 92% Stunden durcheilten drei Postkuriere die Strecke Lüttich—Trier—Stutt­gart—Innsbruck—Triest und eines der stärksten englischen Kriegsschiffe brachte Waghorn in 5 Tagen von Triest nach Alexandrien8). Metternich ließ gemessene Befehle an die österreichische Postverwaltung ergehen, Waghorn die besten Dienste zu leisten, und zugleich die englische Regierung von der Zu­lassung englischer Dampfer auf der Strecke Triest—Alexandrien verständi­gen. Unterdessen hatte aber diese die Probefahrt selbst in die Hand genom­men und wurde bald um so unschlüssiger, je weiter inzwischen Frankreich Preis und Dauer der Postfahrten Marseille—Calais herabdrückte9). So ist schließlich im Dezember 1842 an Waghorns Stelle der englische Kapitän Bloomfield von London durch Tirol nach Triest entsendet worden, dem es nicht so sehr auf die Reisegeschwindigkeit als vorerst auf das Studium dieser Strecke ankam. Aber trotz der winterlichen Jahreszeit ist Bloomfield doch im Februar 1843 mit den besten Eindrücken und mit der Überzeugung nach London zurückgekehrt, daß sich der Postdienst London—Triest sehr wohl in 140 Stunden bewältigen lasse10 *). Unterdessen hatte aber Frankreich seine Anerbietungen so sehr gesteigert, daß sich die englische Regierung Bloomfields Ergebnissen völlig verschloß. Sie ließ sie auch nicht veröffentlichen und wandte sich wieder ganz der französischen Postlinie zu, worauf sich auch Metternich nicht wenig verdrossen und enttäuscht von der Sache zurückzog ”). Und wie sie die englische Regierung vom politischen auf das fiskalische Feld hinübergespielt hatte, so stellte nun auch Österreich wieder die Handels- der Postfrage voran und hielt die Zulassung englischer Dampfer für um so bedenklicher, je mehr sich in Wien die Überzeugung befestigte, daß jene Macht, die den Handel nach Ostindien in die Hand bekam, auch das Mittel­meer beherrschte12). Aufs neue regten nun Lloyd und Kriegsmarine ihre jungen Kräfte. Jener wandte sich wieder der Alexandrienlinie zu, nahm 5) Noten von Hofkammer 42 VIII 8, 15 Notenwechsel 94. 6) Bericht aus London 42 VI 21 England 308. 7) Noten an Hofkammer 42 VII 26, VIII 3, XI 11 Notenwechsel 47. 8) Edelmann an österr. Lloyd 42 IX 13 England, Varia 30. 9) Berichte aus London 42 X 4, XI 13 England 310. 10) Bericht aus London 43 II 20 England 313. “) Weisung nach London 43 III 2 England 316. 12) Note an Hofkammer 42 IX 27 Notenwechsel 47. 118

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