Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)
VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition
Protonotariatsadjunkt 339) und am 16. Juli 1668 wurde er als Super- numerari-Konzipist mit 400 fl. installiert 34°). Das hohe Alter und die erlahmende Arbeitskraft Schröders machten die Heranziehung Högels für die Konzeptsarbeit in stets steigendem Umfange notwendig. Seine etwas plumpe, aber charakteristische Schrift wird bald in den politischen Konzepten immer häufiger341). Ende des Jahres 1673 teilte der Erzkanzler dem Kaiser seine Absicht mit, Högel dem Sekretär Schröder als Extra- ordinari-Sekretär zur Seite zu stellen 342) und am 14. März 1674 wurde er als solcher beeidigt 343), mit der Bestimmung, die Nachfolgerschaft Schröders zu übernehmen. Seit 1673 war er die Hauptarbeitskraft für die deutsche Expedition und hat auch an den geheimen Ratssitzungen und Konferenzen teilgenommen. Wirklicher geheimer Sekretär wurde er aber erst nach Schröders Tode und erst jetzt erhielt er die ordentliche Besoldung 344). Als Hilfskraft hatte er jetzt den nachmaligen Kanzlisten und Registrator Johann Friedrich Wening, der bei ihm als Amanuensis diente 345). Zur Zeit, als der lateinische Sekretär Beuer seinen Posten verlassen hatte, versah Högel das Sekretariat in beiden Expeditionen. Die dadurch bedingte Überarbeitung soll seine Todeskrankheit hervorgerufen haben 348), der er schon am 20. Februar 1682 erlag. Högel folgte im deutschen Sekretariat am 2. April 1682 Christoph Beuer von der Binnen, mit dem wir uns eingehend bei den lateinischen Sekretären zu beschäftigen haben 347). Nach seinem am 8. Juli 1684 erfolgten Tode wurde abermals dem bisherigen lateinischen Sekretär das deutsche Sekretariat übertragen. Es war dies Johann Propst, dessen wir gleichfalls bei den lateinischen Sekretären ausführlicher gedenken werden. Der gleiche Vorgang wiederholte sich nach Propsts Tod im Mai 1686, indem der bisherige lateinische Sekretär Kaspar Florentin von Cons- b r u c h sein Nachfolger wurde. Die weit besseren Einkünfte des deutschen Sekretariats veranlaßten die lateinischen Sekretäre, es anzustreben. Cons- bruch stammte aus Westfalen. In seinem Testament bedenkt er die Franziskaner in seinem „Vaterland zu Bielefeld“ 348). Wie Consbruch nach Österreich kam, konnte ich nicht feststellen. Er scheint seine Karriere im Dienste des österreichischen Hofkanzlers Strattmann begonnen zu haben, dem er durch 8 Jahre, merkwürdigerweise auch noch nach seiner Anstellung in der Reichskanzlei, als Privatsekretär diente 349). Noch vor 33#) R. K. Veri. A. 29: 1667 Okt. 17. 34°) R. Taxbudi. 341) Vgl. z. B. R. K. Weisgen. n. Berlin 1 t>, wo wir seit 1669 seine Konzepte finden. 34a) R. K. Verf. A. 8: 1673 Dez. ij. 343) Eidbuch. 344) R. K. Verf. A. 25: 1679 Nov. 14. 3,S) Vgl. z. B. Frankreh. 44: 1681 Okt. 11, Dez. 4, 1682 Jan. 10, sowie das Gesuch Wenings i. Mzer. R. K. 27 b. 346) Nach einer Behauptung seiner Witwe in einer Supplik an den Erzkanzler (ohne Datum) i. Mzer. R. K. 25 a. 347) Vgl. unten S. 424 ff. 348) R. K. Testamente u. Verlass. 72. — Zwei Schwestern Cs. waren seinem Testament zufolge Nonnen im Kloster B. Mariae Virg. Annunc. in Wiedenbrück im Bistum Osnabrück. 349) Diese sonderbare Tatsache ist in einer Aufzeichnung, die 1723 anläßlich der Adjunktion Heffners zum Reichshofratssekretariat verfaßt wurde, festgehalten, R. K. Verf. A. 7 Konv. b. 394