Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)
VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition
Kasimirs Reigersperger 329). Nach dem westfälischen Frieden, dem auch bald Söldners Tod folgte, war Schröder dann durch mehr als 20 Jahre allein geheimer Reichssekretär der deutschen Expedition. Die Zahl der zwischen 1650 und 1670 von ihm verfaßten politischen Konzepte ist sehr groß, oft begegnet auch seine Hand in Korrekturen. Er blieb auch weiterhin Sekretär im geheimen Rat und in den verschiedenen Deputationen, wie er auch die Referate für den Kaiser verfaßte 33°). Schröders Stellung und Einfluß erfährt eine gute Beleuchtung aus seinem uns erhaltenen ausgedehnten Briefwechsel 331), unter dem ein solcher mit Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, den Schröder als Landesfürsten anspricht, hervorzuheben ist. Allenthalben wurde seine Protektion gesucht. Es will mir auch scheinen, daß Schröder, der auch Geldgeschenken zugänglich war335), seinen Vorteil gut zu wahren wußte und durchaus nicht unvermögend blieb. Schon 1652 hatte er von Kaiser Ferdinand III. den Ritterstand nebst Wappenbesserung und Palatinat erhalten 332). Er scheint auch unter Leopold I. zu einer Zeit, als es mit der Reichskanzlei stark abwärts ging, in Gunst gestanden zu sein. Vielleicht ist die Behauptung, daß Schröder von P. Breuning und P. Emmerich beim Kaiser protegiert wurde, richtig 333). Ein Rivale Schröders war der lateinische Sekretär Walderode, mit dem er seit langem verfeindet war 334). Erst um 1670 sehen wir ihn in seiner Tätigkeit nachlassen und allmählich erlahmen, doch finden sich vereinzelte Konzepte von ihm noch bis 1673. In diesem Jahre wurde Högel zum Sekretär ernannt und ihm beigegeben. Im gleichen Jahre hatte er noch einen großen Streit mit dem Taxator Marx von Berg, der ihm 1672 adjungiert worden war und ihn nun als Dieb bezeichnete, weil Schröder seinen Anspruch auf die Taxen nicht aufgeben wollte 333). In den folgenden Jahren konnte er als Arbeitskraft nicht mehr gezählt werden, der Vizekanzler berichtete 1676, daß Schröder nur mehr „sibi soli“ lebe 336). Doch blieb er formell Sekretär bis zu seinem am 13. Oktober 1679 erfolgten Tode 337). Schröders Nachfolger war Johann Ambrosius Högel. Dieser diente seit 1664 in der Reichskanzlei und war ursprünglich dem Reichshofrats- protokollisten Schweizer beigegeben33S). 1667 begegnen wir ihm als 329) Seine Briefe an Schröder i. R. H. R. Korr. 4. 33°) Charakteristisch ein Billett Lobkowitz’ an Schröder v. 30. Jan. 1666 (R. H. R. Korr. 4), in dem er ihm aufträgt, sofort ein Referat über die Mission Plettenbergs zu verfassen und ihm zuzusenden. — Vgl. auch das Verzeichnis der von ihm referierten u. expedierten taxbaren Sachen i. Mzer. R. K. 14 (1651). 331) R. H. R. Korr. 4. 332) Konzept Staatsarch. d. Innern 1652 Okt. 19. 333) So behauptete der Schröder adjungierte Taxator Marx von Berg, der 1673 mit Schröder wegen der Taxen einen großen Streit hatte, Mzer. R. K. 24. 334) 1672 Sept. 8 schreibt R. V. Kzler. Königsegg an den Erzkzler.: Walderode und Schröder „sind halt beide hart und sonsten einander von vilen jaren hero nit allerdings wohl affectionieret“, Mzer. R. K. 2j a. 335) Mzer. R. K. 24. — Schröder, der auch bestechlich war (vgl. Striedinger, Hans Georg Puecher 67 f), zeigte sich in Geldsachen stets sehr hartnäckig. 336) Mzer. R. K. 2j *>: 1676 Apr. 21. 337) R. H. R. Verl. A. 162. 33S) Mzer. R. K. 17: Högel an Erzkzler. s. d. 393