Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition

wurde Schröder vom Erzkanzler dem Kaiser für die Sekretärstelle präsen­tiert und am 29. Oktober desselben Jahres war er bereits installiert 321). Anläßlich der Besetzung dieser Stelle gab es mancherlei Intrigen. Graf Kurz, der Reichsvizekanzler, protegierte zunächst den Dr. Lindenspür, mußte aber angesichts des Mainzer Wunsches nachgeben. Für Schröder hatten sich die Mainzer Räte in einem eigenen Befürwortungsschreiben an den Kurfürsten besonders eingesetzt 322). Auch der Konzipist Paul Thoman hatte sich vergeblich um die Stelle beworben 323). Die Ernennung Schröders war dem Sekretär Söldner wenig willkommen. Er erreichte jedoch eine solche Abgrenzung der Kompetenzen, daß ihm sämtliche Reichshofratsexpeditionen, somit auch alle Gratialia, Vorbehalten blieben, wodurch ihm seine Einkünfte gesichert waren. Für Schröder war diese durch einen Beschluß des geheimen Rates getroffene Verfügung um so schmerzlicher, als damals die Reichskanzlei einen Tiefstand ihrer Tax- einnahmen erreichte, wodurch alle Beamten aufs schwerste getroffen wurden. Das Hauptfeld seiner Tätigkeit wurden sohin die politischen Expeditionen. Die umfangreiche Korrespondenz, welche die nunmehr immer lebhafter einsetzenden Friedensverhandlungen veranlaßten, ist, soweit sie in die deutsche Expedition gehörte, zum größten Teil von ihm besorgt worden. Seit 1642 war er auch der ständige Sekretär des geheimen Rates und hat sehr oft auch die Vorträge an den Kaiser ausgearbeitet 324). Auch die umfangreichen Schriftstücke, die 1644 Verhandlungen mit Däne­mark veranlaßten, sind zumeist von ihm gearbeitet 325). Je mehr Söldner sich zurückzog, desto mehr rückte Schröder zur ersten Konzeptskraft der Reichskanzlei neben dem in der lateinischen Expedition tätigen Walderode vor. 1645 wurde Schröder zu den Friedensverhandlungen nach Münster gesandt. Dort und in Osnabrück war er auch in den folgenden Jahren bei den Friedensverhandlungen als Gehilfe des Grafen Maximilian Trautt- mansdorff tätig, dessen Berichte an den Reichsvizekanzler teilweise von ihm geschrieben wurden 328). 1648 weilte er in einer diplomatischen Sendung am Dresdener Hofe 326). Aus den Jahren 1645—1647 ist uns auch ein Briefwechsel Schröders mit dem Kurfürsten Anselm Kasimir von Mainz erhalten, der zeigt, daß er vom Kurfürsten als Vertrauensmann betrachtet wurde und ständig über die Verhandlungen berichtete. Anselm Kasimir lobt einmal ausdrücklich die ihm und seinem Stifte von Schröder bei den Friedensverhandlungen geleisteten Dienste 327). Aus den Jahren 1641—1647 liegen auch zahlreiche Briefe Schröders an Kurz vor 328), aus ihnen geht hervor, daß Schröder ganz der Mann Kurzens geworden war und dessen volles Vertrauen, auch in seinen privaten Ge­schäften, besaß. Zu Schröders Vertrauten zählte auch der Kanzler Anselm 321) R. K. Verf. A. 8. 322) Vgl. Waldenburg an Erzkzler. 1640 Juli 31 u. Mainzer Räte an Erzkzler. 1640 Juni 29 i. Mzer. R. K. 10 b. 323) Vgl. unten S. 442. 324) Vgl. R. K. Fried. A. 46 h u. R. K. Vorträge 1 b. 325) Dänemark 4. 328) Vgl. R. K. Fried. A. 52 a u. 87. 327) R. K. Fried. A. 87: 1647 März 16. 328) R. K. Fried. A. 87. 392

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