Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)
VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition
resignieren311). Von Seite Ferdinands II. hatte Arnoldin mannigfache Gnadenbeweise erfahren. 1630 hatte der Kaiser ihm und seinen Schwiegersöhnen den alten Ritterstand verliehen und das Prädikat Clarstein auf die letzteren ausgedehnt312). Zahlreiche Gnadengeldanweisungen, deren Ein- bringlichkeit damals allerdings sehr fraglich war, sind ihm zuteil geworden313). Bei seiner Resignation beließ ihm der Erzkanzler sein Gehalt auf Lebenszeit. In seinem letzten Lebensjahre hatte er das Unglück, bei der Einnahme Prags durch die Schweden 1648 sein Vermögen einzubüßen und überdies in Gefangenschaft zu geraten. Am 21. Januar 1649 *st er gestorben 314). Nachfolger Arnoldins wurde Wilhelm Schröder aus Eschweiler im Herzogtum Jülich. Vor seinem Eintritt in die Reichskanzlei hatte Schröder seit 1629 bei der zur Durchführung des Restitutionsedikts eingesetzten Kommission dem Reichshof rat Johann von Hyen, der am 29. November 1630 bei Köln ermordet wurde, als Sekretär gedient und war dann in der gleichen Eigenschaft beim Bischof von Wien tätig315). Als 1633 die Konzipistenstelle der deutschen Expedition der Reichskanzlei durch den Tod Rudolf Dietmayrs, der auch als Sekretär des Grafen Maximilian Trauttmansdorff diente, erledigt war, bewarb sich Schröder um diesen Posten31B), doch wurde er ihm erst 1636 vom Erzkanzler verliehen 316). Das Taxbuch dieses Jahres verzeichnet ihn zum ersten Male als Konzipisten. Neben seinen Funktionen in der Reichskanzlei behielt Schröder aber auch das Sekretariat beim Bischof von Wien bei, denn noch 1638 und sogar 1640 wird er uns als solcher genannt 317). Schröder wurde gleich in den ersten Jahren seiner Dienstzeit zur Konzeptsarbeit herangezogen. Da die aus der Tätigkeit des Reichshofrates entspringenden konzeptiven Arbeiten damals bereits großenteils von eigenen Beamten, den Reichshofratssekretären, besorgt wurden 318), wurde er bei den politischen Korrespondenzen verwendet. So trifft man 1638 zahlreiche von Schröder verfaßte Weisungen an den Reichsvizekanzler Kurz und Reichshofrat Söldner319), die damals beide in diplomatischen Missionen fern vom Hofe im Reiche waren. Ebenso hat er im folgenden Jahre die Korrespondenz in der Sachsen-Lauenburgschen Friedensvermittlung bearbeitet 32°). Arnoldins Krankheit und Beurlaubung im Jahre 1640 machten es notwendig, einen neuen Sekretär zu bestellen. Am 6. August 1640 311) Vgl. Arnoldins Brief an d. Erzkzler. v. 7. Apr. 1639 i. Mzer. R. K. iol>, R. K. Verf. A. 5: Urlaubsdekret v. 1. Okt. 1640, R. Taxbuch 1642: Kurfürstl. Resolution v. 8. Sept. 1642. 312) R. Reg. Férd. II., Bd. 7, fol. 143. Von seinem Schwiegersohn Theodor Hartmann, Oberstküchenmeister d. Kgrchs. Böhmen, stammen die Grafen Hartmann-Clarstein ab. 313) Vgl. die Aufstellung in R. K. Verf. A. 30 (beim Akt Schröder). sl4) Vgl. die Eingabe der Tochter Arnoldins an d. Erzkzler. v. 8. Dez. 1649 i. Mzer. R. K. 11. 31°) Vgl. Schröders undatierte Eingabe i. Mzer. R. K. 11 (am Ende) u. seine Relation über Hyens Ermordung bei dessen Personalien. 3le) R. K. Verf. A. 45 a: 1636 Febr. 29 Erzkzler. an Reichsvizekanzler. 317) Vgl. R. H. R. Korr. 4 Konv. I: 1638 Juli 31 u. Mzer. R. K. 10 *>: 1640 Juni 29 (Schreiben der Mainzer Räte). 318) Vgl. hierüber oben S. 104 f. 319) R. K. Fried. A. 41 u. 42 ». 32°) R. K. Fried. A. 40. 391