Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)
VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition
Spanien zu propagieren, doch machten die kriegerischen Ereignisse der nächsten Jahre seine weitere Entwicklung unmöglich. In Anerkennung seiner Verdienste bestätigte der Kaiser Arnoldin 1623 den von Rudolf II. verliehenen Adel und verlieh ihm gleichzeitig eine Wappenbesserung und das Palatinat. Das Diplom rühmt seine großen Sprachkenntnisse und die von ihm unter Lebensgefahr während der böhmischen Rebellion durchgeführten Kommissionen 304). Im Jahre 1625 und 1626 wurde Arnoldin neuerdings mit einer diplomatischen Mission betraut, wir finden ihn am polnischen Hofe in Warschau 30ß). Angesichts der bisherigen Stellung und Tätigkeit Arnoldins kann es uns nicht verwundern, daß er nach seiner Ernennung zum Sekretär dem schon einige Jahre in der Reichskanzlei dienenden Söldner im Range vorangestellt wurde und als erster Sekretär des geheimen Rates erscheint. Seine konzeptive Tätigkeit setzt mit 1626 ein, als der Nürnberger Deputationstag vermehrte Arbeit veranlaßte 306). Besonders umfangreich gestaltete sie sich dann 1630, als Arnoldin mit dem Kaiser in Regensburg beim Kurfürstentag weilte und hier auch das Protokoll der Beratungen führte 307). Auch fernerhin, besonders für die Friedensverhandlungen mit Sachsen in Breslau, Leitmeritz und Pirna (1631 —1633), war Arnoldin, unterstützt von Söldner, die erste Arbeitskraft der Kanzlei 308). Im Frühling 1632 war er neuerlich mit einer diplomatischen Mission nach Polen betraut 308 a). Seine Vertrauensstellung beim Kaiser beweist, daß sich dieser Arnoldins bediente, um seinem Beichtvater P. Lamormaini geheime Mitteilungen zu übermitteln 308b). Bis zum Ende der Dreißigerjahre hat er seine Stellung im geheimen Rat wie als erster Sekretär der deutschen Expedition behauptet30B). Weniger zahlreich sind die von ihm konzipierten Stücke, die aus der Tätigkeit des Reichshofrates hervorgegangen sind. Hier hatte Söldner die Hauptarbeit zu leisten. Arnoldin scheint gleichzeitig mit seiner Ernennung zum Sekretär auch wirklicher Reichshofrat geworden zu sein. Als Protokollführer im Reichshof rat hat er nie funktioniert, seit 1628 erscheint er häufiger in den Präsenzlisten der Räte. Bemerkenswert sind seine vertrauten Beziehungen zum Kurfürsten von Mainz, mit dem er 1638 und 1639 eine hochpolitische Korrespondenz unterhielt310). 1639 erkrankte Arnoldin, der damals 64 Jahre alt war, schwer. Als Folge dieser Krankheit ist seine im Herbste 1640 erfolgte Beurlaubung zu erklären. Zu seiner Entlastung wurde der Konzipist Schröder zum Sekretär bestellt, doch nötigte das zunehmende Alter Arnoldins, im November 1642 zu ***) Konz. v. 18. März 1623 i. Staatsarch. d. Innern. Über die Adelsverleihung durch Rudolf II. vermochte ich nichts festzustellen. 306) Polen 29. 3M) R. T. A. 97. 307) R. T. A. 100 ». 308) Friedensakt 9 c. 308 a) Vgl. Polen 30. so8b) Vgl. Ferdinands Schreiben an lamormaini v. 1635 Jan. 26 i. Arch. f. őst. G. 54. 277. 309) Man vgl. z. B. die Instruktionen 1637/38 i. Friedensakt. 41 u. 42 a. Vgl. auch das von ihm Unterzeichnete Dekret an den Reichshofrat v. 1639 Sept. 26, in dem der Reichshofrat verwarnt wird (R. H. R. Verf. A. j, Nr. 21). 31°) Die Originalbriefe, vielfach sehr flüchtig und schwer leserlich geschrieben, in Mzer. R. K. 10 a u. 10 b. 390