Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition

Nachfolge im Reiche angetreten hatte, eine wichtige Person in der Reichs­kanzlei wurde. Seine Stellung entspricht der Kobenzls unter Ferdinand. Er hatte vorzüglich die vertrauliche Korrespondenz des Kaisers mit den Mitgliedern der Familie und auswärtigen Souveränen zu besorgen 78). Er gibt kaiserliche Resolutionen anderen Sekretären zur Ausfertigung der erforderlichen Schriftstücke weiter79). In den Jahren 1564—1566 wohnt er auch den Sitzungen des Reichshofrats oft als Sekretär bei80). Auch unter lateinischen Stücken, die zur Expedition Singkmosers gehörten, findet sich vereinzelt seine Unterschrift81). Lindegg hat sich wohl sicher eines bedeutenden Einflusses bei Maximilian erfreut. Der Kaiser nennt ihn einmal seinen ältesten und einzigen geheimen Hofsekretär82). Auf seine Stellung wirft ein Schreiben des Sekretärs der böhmischen Kanzlei Niclas Walter ein bezeichnendes Licht83). Dasselbe ist, abgesehen davon, daß es zeigt, daß auch diese beiden Funktionäre die Annahme von Geschenken als etwas fast selbstverständliches betrachteten, deshalb be­merkenswert, weil es mit den Worten „Gott mit uns“ schließt. Dies könnte ein Hinweis sein, daß auch Lindegg dem Protestantismus nicht ferne stand. Allerdings treffen wir ihn später als eifrigen Katholiken. 1566 erhielt er von Maximilian eine Bestätigung des Privilegiums Ferdinands und das Vorrecht der Errichtung von Wasser- und Wind­mühlen und Schenkstätten auf seinem Grund und Boden 84 85). In diesem Privileg wird er bereits als Anwalt im Stadtrat der Stadt Wien bezeichnet. Diesen einflußreichen und wichtigen Posten eines kaiserlichen Vertreters in der Stadtverwaltung hat Lindegg von 1567—1575 bekleidet86). Seine Tätigkeit in der Reichskanzlei fand im Jahre 1568 ihr Ende86). Lindegg hat es auch trefflich verstanden, einen reichen Grundbesitz in Nieder­österreich zu erwerben. Er starb 1588 und liegt in Weiten in Nieder­österreich begraben 87 88). Sein Porträt wurde wiederholt von verschiedenen Künstlern auf Medaillen festgehalten 88 a). 1566 war, wie wir hörten, Wolf Haller von seinem Posten zurück­getreten. Zu seinem Nachfolger als Reichssekretär wurde Peter Obernburger bestellt. Ob seine Familie ihren Namen nach der Stadt Obernburg führte und ob dieses fränkische Städtchen am Main seine 78) Vgl. Bibi, Korrespondenz Maxim. II., Bd. 1 u. 2 (nach dem Register). 79) Vgl. etwa Niederösterr. 7: die Präsentation Mert Schidis auf die Pfarre Laa betr.: „fiat und soll der herr secr. S.(ingkmoser) die notturfft ferttigen. 17 maii A° 65 C. L.“ ") Vgl. R. H. R. Resol. Prot. Nr. 24V2. 81) So Ungarn 90: 1565 Sept. 1 an den Bischof v. Agram u. Venedig Weis. 2: 1565 Okt. 22. S2) Hofkammer-A. Gedenkbdi. 102, fol. 258. 83) Vom 8. Apr. 1563, Böhmen Kart. 1. 84) R. Registr. Max. II., Bd. 14, fol. 245 v. 85) Gütige Mitteilg. meines Freundes Prof. Stowassera. d. Archiv der Stadt Wien. Bergmann a. a. O. gibt die J. 1567 bis 1579 an. “) 1568 April fertigt er noch Auszüge von Berichten Dietrichsteins an, vgl. Famil. A. 18, am i. Juli 1568 unterzeichnet er noch die Hofkammerordnung. 87) Vgl. Bergmann a. a. O. — Uber Lindegg nach seinem Ausscheiden aus der Kanzlei vgl. K o p a 11 i k, Regesten z. G. d. Erzdiöc. Wien 1, 142, 169, 214 f. u. 2, 363. 88 a) Vgl. F. Dworschak, Wiener Porträtmedaillen des 16. Jhts. i. Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. St. Wien 7, 96, hier auch Tafel I, 13 Lindeggs Bildnis. 365

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