Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition

Heimat war 88), ist unsicher. Die Familie stand schon seit längerer Zeit in kaiserlichen Diensten. Peters Oheim, Johann Obernburger, war der bekannte Sekretär Karls V. und auch sein Vater Peter scheint Beamter gewesen zu sein. Unser Peter war ein uneheliches Kind und wurde erst nach des Vaters Tode von Karl V. legitimiert 89). Durch seinen Oheim fand er wohl Aufnahme als Schreiber in der kaiserlichen Kanzlei. Das genaue Datum seines Dienstantritts könnte wohl nur eine genaue Unter­suchung der Kanzlei Karls V. liefern; als der Kaiser im Winter von 1552/53 vor Metz lag, war Obernburger, wie in einem kaiserlichen Diplom ausdrücklich hervorgehoben wird, bereits am Hofe. Am 18. Juni 1555 erfolgte seine Legitimierung nebst der Verleihung des Adelsstandes und in einem vom gleichen Tage datierten Diplom die Verleihung des Titels eines kaiserlichen Hofdieners 90). Noch im gleichen Jahre wurde er, nach­dem ihn bereits die Königin Maria von Ungarn zu ihrem Sekretär ernannt hatte, am 24. Oktober vom Kaiser mit dem Palatinat und dem Titel eines kaiserlichen Sekretärs ausgezeichnet91). Als die Kanzlei Karls V. im August 1556 aufgelöst wurde, finden wir in den Listen der Beamten auch Peter Obernburger als Sekretär genannt; er erhielt damals, offenbar als eine Art Abfertigung, 300 fl. auf Stadtsteuern angewiesen 92). In die neue Reichskanzlei wurde er nicht übernommen, auch in bayrische Dienste, in denen wir ihn später treffen, scheint er damals noch nicht gleich getreten zu sein. 1560 ließ er sich nun auch von Ferdinand den Titel eines kaiser­lichen Sekretärs und Hofdieners sowie einen Schutz- und Schirmbrief erteilen93), und am 2. Mai 1566 bestätigte ihm auch Maximilian die von Karl V. empfangenen Privilegien 93 a). Dann hören wir wieder von ihm, als Kaiser Maximilian am 7. Dezember 1566 nach Hallers Abgang Herzog Albrecht von Bayern bat, ihm seinen Sekretär Obernburger für die Reichskanzlei zu überlassen 94). In einem gleichzeitigen Schreiben an den Erzkanzler rühmt der Kaiser neben Obernburgers katholischer Recht­gläubigkeit dessen Sprachkenntnisse, die sich auf die lateinische, spanische, italienische und französische Sprache erstreckten. Obernburger muß sich in der Tat eines ausgezeichneten Rufes erfreut haben, denn auch Philipp II. von Spanien wollte ihn in seine Dienste ziehen, er kam aber zu spät, Obernburger war indessen schon an den Kaiserhof übergetreten 95). Sein Dienstantritt erfolgte Anfang 1567. Er übernahm die bisher von Haller besorgten Geschäfte des Reichssekretariats. Ein mit dem 14. Mai 1567 beginnendes Reichshofratsprotokoll ist bereits ganz von seiner Hand 88) Ygl. das Konzept der Namensbestätigung v. 30. Juni 1556, in der sich die Obern­burger beschweren, daß viele aus Obernburg Gebürtige sich den Namen Obernburger bei­legen, während dieser Name von Rechts wegen nur ihnen gebühre. 89) Seine Mutter hieß Elisabeth Schermar (vgl. R. T. A. 52 Brief v. 6. X. 1574), über seine Legitimation vgl. das Konzept v. 18. Juni 1555 i. Staatsarch. d. Innern. ") Diplomskonzepte i. Staatsarch. d. Innern, hier auch die Nachricht über seinen Dienst vor Metz. B1) Konzept i. Staatsarch. d. Innern. — Sämtliche vorgenannte Konzepte sind von Obernburger selbst geschrieben. ") R. H. R. Resol. Prot. 12, fol. 63 v. 93) R. Reg. Férd. I., Bd. 21, fol. 70 v. 93 a) Konzept Staatsarch. d. Innern. 91) R. K. Verf. A. 8. 95) Vgl. das Schreiben Albrechts v. Bayern, Goetz, Briefe u. Akten 5, 383. 366

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