Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition

Zeit vom i. März bis 31. August 1564 an ihn verzeichnet. 1565 erhielt er dann aus dem Taxamt eine Abfertigung von 300 fl.71 d). Sowohl er wie Fieringer, den man noch bis 1569 verfolgen kann, fungierten wiederholt als Überbringer kaiserlicher Befehle zur Ausfertigung von Schriftstücken an die Reichskanzlei. Von Fieringer finden sich auch einschlägige Vermerke auf Aktenstücken der Reichskanzlei7115). Ihre Tätigkeit scheint demnach keine scharf umschriebene gewesen zu sein, wie es den damaligen, noch nicht ganz konsolidierten Kanzleiverhältnissen entsprach. Die Teilung der österreichischen Erbländer nach Ferdinands I. Tode hatte auch eine Verminderung des Personales der Reichskanzlei, die ja auch für die Erblande fungierte, zur Folge. Die Zahl der deutschen Sekretäre sank von 5 auf 3 herab. An Kobenzls Stelle trat Kaspar Lindegg von Lisana 72), Sekretär und Vertrauensmann Maximilians seit dessen Jugendzeit. Lindegg gehörte einer Tiroler Familie an73). Angeblich anfänglich im militärischen Dienste Ferdinands, ist er unmittel­bar nach 1545 als Schreiber in die Kanzlei des Königs eingetreten74). Schon 1547 erscheint er als Sekretär Maximilians auf dem Reichstag zu Augsburg in dessen Gefolge75) und hat dann 1548 den Erzherzog auch nach Spanien begleitet. Fortan weilte er ständig in Maximilians Umgebung. Lindegg hat durch die ganzen Jahre bis zu Maximilians Regierungsantritt als Kaiser in dessen Kanzlei nach Zasius die erste Rolle gespielt. Von ihm sind zahlreiche Konzepte erhalten und fast auf allen Akten, die am Hofe Maximilians einliefen, finden sich die Spuren seiner Tätigkeit. Er Unter­zeichnete die Schriftstücke und mundierte sie nötigenfalls auch selbst768). Neben seiner Tätigkeit in der Kanzlei verwendete Maximilian Lindegg auch zu den verschiedensten Missionen und Geschäften 78). Schon 1560 erwirkte er vom Kaiser die Bestätigung seiner ihm und seinem Bruder Nikolaus von Karl V. im Jahre 1556 erteilten Privilegien und das Recht, sich fortan „von oder zu einem Sitz“ schreiben zu dürfen77). Damit dürfte wohl auch das Prädikat von Lisana im Zusammenhang stehen. Es ist nur selbstverständlich, daß Lindegg auch nachdem Maximilian die 71 <*) Ungelters Amtsrechng. 1564, fol. 87 V u. ij6j, fol. ii3v. 71 e) R. H. R. Jud. Mise. 2: Vermerk Fieringers über kaiserl. Entschließung v. 4. Juni 1565 auf der Eingabe des Don Phil, de Austria, ferner Jud. Mise. 112 ist auf der Relation des Fhn. v. Königsegg in Sachen Salmansweiler contra Schönau der Vermerk Hallers: Ist Commission zu rechtlicher handlung auf Königsegg bewilligt 7 augusti 1564, ad relationem secretarii Geulel. Vgl. auch R. H. R. Prot. rer. resol. saec. XVI, Nr. 26b, fol. 62 v u. Nr. 30, fol. 6 v. 72) Nicht Astana, wie Fellner-Kretschmayr I/2, 189 druckt. 73) Über die steirische Familie L. und über Kaspar L. vgl. Bergmann, Medaillen auf berühmte u. ausgezeichn. Männer des österr. Kaisertums 2, H4ff., der auch biograph. Daten über Kaspar bringt. Bergmann meint, daß Kaspar nicht der steirischen Familie, sondern einer anderen gleichnamigen Familie angehörte. Für die Tiroler Herkunft spricht das Prädikat Lizzana (Ort und Schloß bei Rovereto) in Südtirol wie auch die Tatsache, daß Kaspars Bruder Niklas Fiskal in Rovereto war, vgl. das Privileg Férd. I. i. d. Reichsreg. Férd. I., Bd. 24, fol. 36 v. 7i) Der im Hofstaats Verzeichnis v. 1545—15 50 genannte Caspar Lindegker ist zweifellos mit ihm identisch, Fellner-Kretschmayr I/2, 166. 75) Nicol. Mamerani Catalog, totius aulae Caesar. 61. 78 a) Famil. Akt. 16: 1363 Dez. 30. 76) Vgl. die Instruktion für ihn v. 11. Mai ijji i. Fontes rer. Austr. II/48, 561. ”) R. Register Férd. I., Bd. 24, fol. 36 v. 364

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