Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition

erhalten, sowohl politische wie Gnadensachen betreffend 43). Kobenzl, der 1563 vom Kaiser die Bestätigung des alten Adelsstandes sowie eine Wappenbesserung für sich und seinen Bruder Ulrich erlangt hatte44), diente bis nach dem Tode Ferdinands in der Reichskanzlei. Im Juli 1564 hat er noch eine ganze Anzahl von Schreiben Maximilians II., die mit dem Tode Ferdinands in Zusammenhang standen, konzipiert4B). Bei der nun folgenden Länderteilung ist Kobenzl dann in die Dienste Erzherzog Karls von Steiermark übernommen worden, für den er bereits am j. Oktober 1564 amtierte48). In Graz begann dann erst recht seine große Beamten­laufbahn, die hier zu verfolgen nicht unsere Aufgabe ist. Als Hofvize­kanzler, Kammerpräsident und geheimer Rat Karls von Steiermark hat Kobenzl, der 1588 vom Kaiser in den Freiherrnstand erhoben wurde47), am Grazer Hofe eine große Rolle gespielt. Da er auch vom Kaiser wiederholt noch in diplomatischen Missionen verwendet wurde, ist er auch später noch mit der Reichskanzlei des öfteren in Berührung getreten47“). Neben den Sekretären Haller, Kirchschläger und Kobenzl weisen die Hofstaatsverzeichnisse aus der Zeit Ferdinands I. noch fünf weitere deutsche Sekretäre auf, von denen aber nur Ludwig Peer, Dionys von Rost und Andreas Jurschin der Reichskanzlei angehörten. Ludwig Peer von Stetenberg, der älteste der drei, wird bereits in einem ca. 1546—1549 zu datierenden Hofstaatsverzeichnis als deutscher Sekretär in der Kanzlei König Ferdinands genannt 48). Als solcher wurde er auch in die Reichskanzlei übernommen. Seine Tätigkeit läßt sich in der Reichs­kanzlei fast nur bei erbländischen Angelegenheiten verfolgen, sowohl bei solchen der südlichen österreichischen Länder, etwa den Angelegenheiten des Patriarchats von Aquileja49) oder Krains50), wie solchen der alt­österreichischen Länder, besonders Österreichs unter der Enns51). Das Protokoll Hallers vom Jahre 1559 spricht von einer eigenen Expedition des Sekretärs Peer52). Man darf wohl annehmen, daß diese die nieder­österreichischen Agenden (im alten Sinne des Wortes) umfaßte. Peer war 43) Vgl. Görz 2: 1562 Dez. 29 Befehl des Kaisers zur Abfassg. einer Weisg. an den kais. Orator in Venedig. 44) Konzept von Kobenzls eigener Hand ohne Tagesdatum im Staatsarch. d. Innern u. d. Justiz. 45) Vgl. Famii. A. 18: 1564 Juli 26 u. a. 46) Vgl. Thiel, Reg. z. Gesch. d. Beamtensdhft. unt. Erzhzg. Karl v. Innerösterr. (1564—1590) i. Jahrbch. d. „Adler“ N. F. 21 (1911), Reg. Nr. 2 u. Nuntiaturberichte II/4, 213. 47) Abschrift des v. 30. Aug. 1588 dat. Diploms i. Staatsarch. d. Innern. Es ist die Bestätigung der Erhebung in den Freiherrnstand durch Erzhzg. Karl im J. 1581. 47 a) Vgl. hierüber auch den Art. Cobenzl in Ersch-Gruber, Encyklopädie der Wissen­schaften u. L o s e r t h, Die Reformation u. Gegenreform, i. d. innerösterr. Ländern 120 f. u. passim (Register); über seine diplomat. Tätigkeit in Rußland vgl. Übersberger, österrch. u. Rußland 439 ff. 4S) Fellner-Kretschmayr I/2, 165. 4") Vgl. Innerösterr. Grenzakt. 3: 1559 Sept. 30 Ber. des Hauptmanns zu Görz, auf der Rüdeseite von Selds Hand „herfür zu suchen Sec. Peer“. Ebda. 1562 Juni 20 ein Konzept von Peer an d. ndöst. Regierg. “) Krain 3 mehrere Schreiben Peers, gewisse Pfründen betreffend a. d. J. 1560 u. 1561. 51) Vgl. Niederösterr. 5: 1560 Jan. 19 die Präsentation Andreas Meylenters betr., wo Peer den Beschluß des Kaisers vermerkte. 62) R. H. R. Resol. Prot. 17, fol. 85 V am Rande „gehen in sec. Bern expedition“. 361

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