Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition

wohl wie Kobenzl der niederösterreichische Hofsekretär Ferdinands. Viel­leicht war ihm Kobenzl ursprünglich sogar untergeordnet und hat erst nach dessen Abgang die Expedition übernommen. In Reichssachen scheint Peer nicht tätig gewesen zu sein, ein einziges Mal konnte ich in einem Reichsregister seine Unterschrift unter einer Legitimation feststellenB3). Das Urteil über seine Tätigkeit wird ebenso wie das über seine beiden Amts­kollegen Rost und Jurschyn leider durch den schlechten Erhaltungszustand der Aktenbestände der österreichischen Abteilung der Reichskanzlei beträchtlich erschwert. Bei größerer Vollständigkeit dieses Bestandes könnte gewiß die Abgrenzung der Kompetenzen mit größerer Sicherheit gezogen werden53 54 55 56). Peer nahm am 30. September 1562 seinen Abschied aus der Reichskanzlei 5B). Er starb, jedenfalls vor 1574, zu Wien, wo er bei St. Michael beigesetzt wurde B6). Auch Dionys von Rost hatte bereits unter Ferdinand gedient, als er 1559 in die Reichskanzlei kam. Er gehörte einem altadeligen Geschlechte an, dessen Stammsitz in Enneberg im süd­lichen Tirol gelegen war und das sich nach seinem Hof nannte57). 1558 treffen wir ihn als Sekretär der Hofkammer B8), im Hofstaatsverzeichnis des Jahres 1559 wird er unter den deutschen Sekretären auf geführt. Rost hat allem Anscheine nach die oberösterreichischen Sachen zu bearbeiten gehabt, zu denen die Tirol und die Vorlande betreffenden Aktenstücke gehörten. Dafür spricht unzweideutig die Tatsache, daß seine Betätigung ganz überwiegend bei derartigen Stücken nachweisbar ist. Schon im Juni 1559 erscheinen ihm diejenigen im Reichshofrat zur Verhandlung gelangten Akten zugewiesen, die mit der oberösterreichischen Regierung im Zusammenhang stehen50 *). Wenn im Juli des gleichen Jahres das Reichshofratsprotokoll von einer Expedition des Sekretärs Rost spricht, wird diese wohl die oberösterreichische gewesen sein60). Dem entspricht es auch, daß bei den auf den Landsberger Bund gerichteten Verhandlungen des Jahres 1560 sich zahlreiche Konzepte seiner Hand finden, vor allem viele Zuschriften an die oberösterreichische Regierung61), oder daß er 1563 das Schreiben Ferdinands an Maximilian unterzeichnet, das das Ehren­geleite des Tiroler Adels für Maximilians Söhne auf der Reise nach Spanien regelt62). Vereinzelt taucht seine Unterschrift auch unter Reichs­sachen auf 63), mag sein, daß auch hier, wenn es sich nicht nur um Stell­vertretung handelt, vorderösterreichische Interessen mitspielten. 1561 erhielt Rost von Ferdinand die Bewilligung, das Wappen seiner Familie mit dem des ausgestorbenen Geschlechtes der Ungerhauser zu vereinigen, und eine Reihe anderer Vorrechte. Das Diplom wurde dann 1563 vom 53) R. Regist. Férd. I. Bd. 21, fol. 208. 54) Vgl. oben S. 15. 55) Ungelters Amtsrechnung 1563, fol. 108. 56) Vgl. das Testament seines Sohnes Laurenz v. 7. III. 1574 i. d. Landmarschall. Testamenten 4. 57) Vgl. über die Rost Jahrbch. d. „Adler“ 1891, 124 ff. 58) Fellner-Kretschmayr I/2, 177. 50) Vgl. R. H. R. Resol. Prot. Nr. 16, fol. 6 v u. Nr. 17, fol. 1. “) R. H. R. Res. Prot. 17, fol. 71 v. 81) Reichsakt. in genere 42 a. e2) Fam. A. 16: 1563 Mai 15. 63) So Reichsregister Férd. I., Bd. 14, fol. 200 u. Bd. 21, fol. 153. 362

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