Historische Blätter 7. (1937)

Taras v. Borodajkewycz: Kaiser und Reichserzkanzler bei Beginn des spanischen Erbfolgekriegs

dessen Parteinahme für Frankreich doch schon öffentlich bekannt ist. Der Kurfürst antwortete mit einer langen Klageliste: Von seiner Seite wurde schon vor langer Zeit der erste Schritt getan, um dem Kaiser die Hand in der spanischen Erbfolgefrage anzubieten. Nicht einmal eine Antwort ist darauf erfolgt! Beim Kaiser wurde zuerst Hilfe gesucht, diese aber von Wien an Bedingungen geknüpft, die die Unterhandlungen in nichts zer­rinnen lassen mußten! Woher hätte denn irgend eine Rettung erwartet werden sollen, wenn nicht durch eine Verständigung mit den Nachbarn und durch ein sehr vorsichtiges Lavieren ? Als Festung befindet sich Mainz infolge des Mangels eigener Kräfte in einem besorgniserregenden Zustand; in zwei Tagen können feindliche Truppen vor seinen Mauern stehen! Das Bündnis mit Würzburg hat zwar einen kleinen Rück­halt gebracht, aber er ist noch viel zu gering, wenn nicht die Assoziation der Kreise nachfolgt. Sie ist als ein „remediurn innocentissimum“ ins Leben gerufen worden, niemandem zuleide, an ihr ist nichts Verfängliches weder gegen das Reich noch gegen den Kaiser. Im Gegenteil, der Kaiser hat ja selbst die Kreise zu ihren Rüstungen ermuntert! Getrennt und für sich allein sind die Kreise kraftlos und müssen erliegen. Durch das Band der Einigkeit zusammengeschlossen, werden sie den Schwächeren ein Schutz sein können! Es ist richtig, daß der Kurfürst von Bayern um das Kom­mando über die Kreistruppen angesucht hat, er hat aber keine Zusage erhalten. Und schließlich sagte der Erzkanzler dem Gesandten, er könne ihm nicht verschweigen, daß die bisherigen Vorbereitungen des Kaisers zu einem so großen Krieg den gutgesinnten Patrioten noch keine Zuver­sicht geben könnten. Ein so entscheidungsvolles Beginnen müßte wohl ganz anders angegangen „und wie man teutsch zu sprechen pfleget, diesse Hakhen bey einem ganz andern Stiehl angegriffen werden“. Im übrigen versicherte der Kurfürst auf Treu und Glauben, daß er sich mit Frank­reich nicht in das Geringste eingelassen, auch nicht an eine Neutralität denke, die er sogar verurteile101. 104 104 Bericht Schlick 27. IV. 1701. 0. Klopp, Der Fall dee Hanses Stuart, IX, S.383 erwähnt einen Bericht des Grafen Schlick aus dem März 1701, laut welchem sich Lo­thar Franz zu dem Gesandten geäußert haben soll: „Es ist ein Scandal, daß der Kaiser als das Oberhaupt des Reiches, wo er das Recht haben sollte, von den Fürsten des­selben pflichtmäßige Hilfe zu fordern, einen Krieg nach außen nicht anders führen kann als vermittelst der Allianzen, durch die er ihre Hülfe erkauft. Die Last dieser Subsidien hat in dem vorigen Kriege die Seemächte nicht weniger als den Kaiser entkräftet, und darum erheblich beigetragen, daß man sich auf den nachteiligen Frieden einlassen mußte. Aber es ist dahin gekommen, daß bei jeder Anforderung für das Gemeinwohl von den größeren Machthabern im Reiche zuerst die Frage entgegenschallt: Quid vultis mihi dare?“ Dieser Bericht war nicht aufzufinden. Sein Inhalt widerspricht so sehr der 10* 145

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