Historische Blätter 7. (1937)

Taras v. Borodajkewycz: Kaiser und Reichserzkanzler bei Beginn des spanischen Erbfolgekriegs

Traktat beteiligt sei; er habe dafür Anhaltspunkte in den Berichten des bayrischen Gesandten aus Paris31. Lothar Franz sah ein, sein Hauptplan war zur Zeit nndurchfürbar. Aber wenn sich auch am Rhein keine selbständige, auf einer realen Grundlage basierte Politik zwischen den großen Mächten gestalten ließ, dann sollte doch wenigstens eine gemeinsame Linie im gegenwärtigen drängenden Augenblick erzielt, dann sollte vermieden werden, daß der französische Gesandte eine Antwort erhielt, die die Lande am Rhein für die Zukunft in irgend eine politische Verwicklung ziehen könnte. Darauf konzentrierte der Erzkanzler seine weiteren Bemühungen und tatsächlich gelang ihm für die nächsten Monate die Herstellung einer gemeinsamen diplomatischen Front in engster, beständiger Fühlung mit seinen geist­lichen Mitkurfürsten, aber darüber hinaus auch mit Kurpfalz, dem Kasseler und Darmstädter Hof und Würzburg. Es war alles eher als eine groß­zügige, begeisternde Politik, die sich da in den nächsten Wochen am Rhein abspielte, aber es war eine Politik, die ihre Verdienste nm das Reich hat, hinter der eine ehrliche Sorge um das Wohl und Wehe deutschen Bodens stand. Und es gelang ihr in bewundernswerter Weise, eine Bindung nach Paris zu vermeiden und die fast täglich vorgebrachten „widrigwerthigen Zumuthungen“ 32 33 des französischen Gesandten durch allgemeine Erklärungen und immer erneute Ausreden hinzuhalten. Alle Register ließ die französische Diplomatie spielen, um den Erz­kanzler, die deutschen Fürsten und am liebsten das ganze Reich zu einer Garantieerklärung für den Teilungsvertrag zu bewegen. Drohungen und Ankündigungen von Maßnahmen, die der König treffen würde, um die Widerspenstigkeit der Fürsten zu brechen, wechselten mit Beteuerungen seiner herzlichen Freundschaft und Vorstellungen, die die Friedenssehnsucht der Fürsten als Lockmittel benützen sollten: Nur der Eifer für die Ruhe und Einigkeit der ganzen Christenheit habe den allerchristlichsten König zum Abschluß des Traktats bewogen. Sein ganzes Streben sei es, diese am Ausgang seines Lebens so gefestigt zu sehen, daß er „mit getrösterem gemüht von diesen zeitlichen sich könten abruffen lassen“ 3S. Die Ruhe kann aber nur behauptet werden, wenn zwischen allen an der spanischen Frage Interessierten rechtzeitig ein Übereinkommen getroffen wird. Gerade der Traktat, der dem König und seinem Enkel schwere Opfer auferlegt, 31 Bericht Friedrich Karls v. Schönborn (s. d.), ebda. Nr. 69. 32 Lothar Franz an Kurtrier und Kurpfalz 26. VII. 1700 (Konzept), M. E. A. Korr. 99. 33 Beilage zu Bericht Johann Philipps von Schönborn über seine Audienz bei dem Bischof von Würzburg 7. VIII. 1700, M. E. A. Korr. 99. 126

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