Historische Blätter 7. (1937)
Walter Latzke: Das Ende des Wiener Frauenklosters St. Anna
Beilagen 1. 1571 Dez. 14, Wien Maximilian der Ander, von gottes gnaden erwöllter römischer kaiser, zu allen Zeiten mehrer des reichs etc. Edler, auch ersam, gelert, und lieben getreuen, wir haben eure zwey underschiedliche bedenkhen und guetachten vom aindlifften und zwelften diß monats unnsers closters zu St. Anna einkummen und des closters zu St. Jacob alhie schulden betreffendt gnedigclich vernommen. Wellen euch darauf in gnaden erinndern, das wir unns dieselben ewre zwey bedenkhen durchauß gefallen lassen, hiemit gnedigelich bevelhendt, daß ir die yezige noch vorhandene abbtisin zu St. Anna, deßgleichen alles desselben closters einkumen unnd zugehörige nuzperkeit in das closter zu St. Jacob alhie transferiert, dergestalt daß die abbtisin zu St. Anna etwas für ein andere gemaine Ordensschwester darinn ehrlich unnderhalten, zum andern, das ermelts closter St. Anna einkumen durch ainen tauglichen hofmaister neben den closterleüten zu St. Jacob administriert und von demselben einkumen dem collegio der Jesuiten alhie auf unser wolgefallen jerlich fünfhundert gulden reinisch geraicht werde, zum dritten, so sollet ir von dem übrigen einkumen St. Anna closter erstlichen die ausstendigen schulden, deßgleichen die gebürlichen j erlichen steuern und contributionen, item der kirchen zu St. Anna gotsdienst, also auch die peuliche und wesenliche er- haltung des closters und andere notwendige außgaben verrichten und wenn über das was überbleibt, dasselb dem closter St. Jacob zu guetem und abledigung irer schulden, auch auf unnser wolgefallen, verwenden lassen; zum vierten, so ist notwendig, daß ir järlich von ermelten closterleüten St. Jacob und irem hofmaister aller des closters St. Anna ertragung und außgaben ordenliche und richtige raittung aufnemet, damit ir wiissen möget, was von dem Überschuß nach järlicher entrichtung der Jesuiten fünfhundert gulden, auf schulden, steurn, contributionen und dergleichen beczahlt und wohin das übrige verwendet werde. Und lezlich, dieweil euch selbst frembdt, das das closter St. Jacob in ein schulden geratten, so wollet euch aigentlich erkundigen, wie und wasgestalt sy dieselb schulden gemacht, ob es auch damit recht zugee oder nit, dann sonsten der schulden one consenß kain aufhören ist, und wo nit ernstlichs nach- sehen beschieht, immer ain schuld nach der andern gemacht wirdet. Das ist unser gnedige und gefellige mainung. Geben in unser statt Wien, den 14. Decembris, anno etc. im 71.ten unserer reiche des römischen im 115