Historische Blätter 7. (1937)

Walter Latzke: Das Ende des Wiener Frauenklosters St. Anna

So hatte das Kloster St. Anna zn bestehen aufgehört. Regina Hal- peyrin ist kurz nach ihrer Transferierung nach St. Jakob gestorben76. Die Nonnen von St. Jakob konnten aus der Inkorporation keinerlei Nutzen ziehen, die eigentlichen Nutznießer schienen die Jesuiten mit der jähr­lichen Rente von 500 fl. zu sein. Allein diese Verfügung des Kaisers stand zunächst bloß auf dem Papier. Noch im September 1572 hatte der Hofmeister den Jesuiten nicht einen Heller ausbezahlt. Wohl erwirkte das Kollegium durch ein Gesuch vom 29. August 1572 an den Kaiser76 77 eine scharfe Resolution vom 25. September an den Klosterrat, daß der Hof­meister anzuweisen sei, die Summe in vier Jahresraten in Bargeld oder Naturalien auszuzahlen78, allein bei dem desolaten Zustand der Wirtschaft von St. Anna, an dem der Hofmeister vielleicht nicht ganz unschuldig war, hatten sie auch Anfang Jänner 1573 noch nichts erhalten. Ein neues Gesuch an den Kaiser79 bewog diesen, dem Klosterrat die Erstattung eines Gutachtens aufzutragen80. Die Räte meinten am 14. Februar 1573, die Teilung der Einkünfte von St. Anna unter St. Jakob und die Jesuiten verhindere jede wirtschaftliche Sanierung. Der Kaiser möge „dises stifft und Sannt Anna gült, ein- und zuegehörung samentlich und unzertheilt“ den Jesuiten zum Nutzgenuß übergeben81. Aber Maximilian II. scheint nun den Jesuiten weniger wohlwollend gegenübergestanden zu sein als ein Jahr zuvor. Er wies am 23. Februar 1573 den Antrag des Kloster­rates zurück und erklärte, die Jesuiten hätten sich mit den angewiesenen 500 fl. zu begnügen82. Indes wußten sich die Jesuiten nicht nur durch ihren Gönner, den Reichshofrat Dr. Georg Eder, den Obersthofmeister Hans von Trautson zu gewinnen, sondern sich auch die Fürsprache des spanischen Orators zu sichern und diese veranlaßte den Kaiser, acht Tage später seine Verfügung zu widerrufen83. Am 11. März beauftragte Maxi­milian den Klosterrat, den Jesuiten die Güter von St. Anna (ohne das Klostergebäude, das seit Mai 1572 dem Reichskanzleisekretär Andreas 76 K. Top. XI, S. 375. 77 conz. ohne Datum, StA, 1. c. fz. 4 no. A. 341. 78 or., ebendort fz. 72. 79 cop. ohne Datum, Beilage zum Dekret von 1573 Jan. 8 (cop.); ebendort. 80 Dekret der Reichskanzlei an den Klosterrat 1573 Jan. 8 (or.); ebendort. 81 Bericht des Klosterrates an den Kaiser (conz.); ebendort. 82 Auszug einer Resolution Maximilians II. an den Klosterrat von 1573 Febr. 23 (cop.); Beilage zur Resolution Erzh. Ernsts an den Klosterrat von 1580 Febr. 22; ebendort. 88 Notiz in obiger Beilage (cop.); vgl. auch das Schreiben Eders an Trautson o. D. (or.); ebendort fz. 4 no. A 341. 112

Next

/
Thumbnails
Contents