Historische Blätter 7. (1937)

Walter Latzke: Das Ende des Wiener Frauenklosters St. Anna

Erstenberger als Wohnung angewiesen war, auf zwei Jahre zu übergeben84 85. Am 1. April übergaben die Klosterräte Dr. Christoph Hillinger und Kaspar von Lindegg Archiv und Güter von St. Anna an den Rektor P. Emerich Forster86. Ein im Herbste 1573 eingereichtes Gesuch der Jesuiten um die dauernde Einantwortung der Güter von St. Anna86 wurde vom Kaiser am 8. Dezember dahin beschieden, daß dem Kollegium nach Ablauf der zwei Jahre „dieselben güetter doch allein auf irer kay. mt. wolgefallen in hannden gelassen werden sollen“ 87. So konnten die Jesuiten auch nach Ablauf der beiden Jahre ruhig im Nutzgenuß der Güter von St. Anna verbleiben, ja es gelang ihnen sogar auf die Fürsprache Erzherzog Karls, vom Kaiser am 28. Juni 1575 die ehedem von Elisabeth Jordanin be­wohnten Räume des sogenannten „Pilgramhäusels“ in der Kärntnerstraße zu erhalten88, und am 21. Mai 1576 gewährte ihnen der Kaiser den wei­teren Bezug der einst dem Kloster St. Clara gestifteten 300 fuder „Gottes- zeil“-Salz89 90. Auch nach dem Tode Maximilians II. unter der Statthalter­schaft des Erzherzogs Ernst änderte sich an diesem Zustand nichts. Erst 1580 erhoben sich ernstliche Schwierigkeiten. Noch einmal schien es, als sollte St. Anna an den Klarissenorden zurückfallen. Königinwitwe Elisa­beth von Frankreich hatte nach ihrer Rückkehr in die Heimat den Ent­schluß gefaßt, ein Klarissenkloster in Wien zu begründen und darin ihr ferneres Leben zu verbringen. Naturgemäß dachte sie zunächst an eine Wiederbelebung der Stiftung Rudolfs III., an eine Wiederherstellung von St. Anna. Den Jesuiten schien ihr nicht fest verbrieftes Besitzrecht nun die Klostergüter kosten zu sollen. Am 24. Februar 1580 befahl Erzherzog Ernst dem Klosterrate, den Jesuiten die Güter von St. Anna abzufordern,J0. Der Klosterrat erließ am 2. März ein entsprechendes Dekret an die Jesuiten 91. Als diese mit einem Gesuch an den Klosterrat wenigstens Zeit zu gewinnen suchten92, wiederholten die Räte im Aufträge des Erzher­zogs am 12. März neuerlich ihren Befehl93. Nun wandten sich die Jesuiten direkt an Rudolf II. Ihr Gönner, der Geheime Rat Paul Sixtus Freiherr 84 Resolution Maximilians II. an den Klosterrat (or.); ebendort fz. 72. 85 Inventar 1573 April 1 (or.); ebendort. 86 Notiz wie bei Amn. 3. 87 Dekret der Reichskanzlei an Rektor und Kollegium (or.); ebendort fz. 4 no. A 341. 88 Resolution Maximilians II. an Erzherzog Karl (cop.); ebendort fz. 72. 89 História collegii Viennensis S. J. fol. 22 v. 90 or. Resolution; StA, 1. c. fz. 72. 91 or.; ebendort fz. 4 no. A 341. 92 conz. ebendort. 93 or. Dekret; ebendort. 8* 113

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